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Nr.: 01/17

Datum: 31.01.2017

Digitale Kompetenz ist Basis für ein selbstbestimmtes Leben im Alter

Expertinnen und Experten zeigen auf Fachtagung Chancen der Digitalisierung auf

Stuttgart, 31.01. 2017. Wie können die neuen Möglichkeiten, die die digitale Welt bereits heute bietet, gerade Seniorinnen und Senioren helfen, ihr Leben im Alter unabhängiger und selbstbestimmter zu gestalten? Die Fachtagung „Vernetzt oder abgehängt?“ bot im Stuttgarter Hospitalhof eine Fülle von praktischen Beispielen und Initiativen von Land, Kommunen, Initiativen und Organisationen, die ältere Menschen in Baden-Württemberg an die neuen Medien und die Chancen der Digitalisierung heranführen. Klar wurde aber auch, dass noch viel Arbeit geleistet werden muss, um sie eben nicht von der technischen Entwicklung abzuhängen, sondern sie daran teilhaben zu lassen.

„Fürs Internet ist man nie zu alt“. Bärbl Mielich MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg wies darauf hin, dass es gerade auch für ältere Menschen online ein großes Angebot gäbe, das die Lebensqualität steigern könne. Ein Angebot, das von immer mehr Senioren auch angenommen wird, wie die Nutzungszahlen zeigen. Lag die Internet-Nutzung der Über-60-Jährigen Ende der 90er Jahre noch im einstelligen Bereich, so sind es inzwischen - nach der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 – in der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren 84 Prozent und bei den Über-60-Jährigen 57 Prozent, die im Web surfen. Für SWR-Medienforscher Christian Schröter sind es vor allem die mobile Nutzung und die einfachere Handhabung der Geräte, die für mehr Akzeptanz des Internets bei der älteren Bevölkerung sorgen.

Niemand darf von der Digitalsierung abgehängt werden

Immer mehr Menschen sind online unterwegs, aber eben noch insgesamt zu wenig. Das Internet gehöre für viele und gerade ältere Menschen noch immer nicht zum Alltag, bemängelte Roland Sing, Vorsitzender des Landesseniorenrates Baden-Württemberg „Wir möchten, dass niemand abgehängt wird und gesamtgesellschaftliche Nachteile hat, nur weil er bestimmte Kenntnisse nicht vermittelt bekommt“ und darum forderte Sing mehr niedrigschwellige Nutzungsangebote und ansprechende Aufklärung. „Hier sind auch die Kommunen gefordert“, so Sing.

Chancen nutzen – Risiken kennen

Verbraucherinnen und Verbraucher müssten die Chancen nutzen, aber auch die Risiken des Internets kennen. "Es ist die Aufgabe der Politik, einen umsichtigen Umgang mit dem Medium zu vermitteln", sagte Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Seniorinnen und Senioren hätten über das Internet die Möglichkeit zu sozialer und ökonomischer Teilnahme, etwa durch Soziale Medien, Onlineeinkauf oder Onlinegeldgeschäfte. „Das ist insbesondere in ländlichen Regionen hilfreich, in denen räumliche Distanzen zu gewünschten Angeboten eine Teilnahme erschweren“, so Staatssekretärin Gurr-Hirsch.

„Zur breit angelegten Digitalisierungsstrategie des Landes gehört es, alle Menschen auf dem Weg ins digitale Zeitalter mitzunehmen“, erläuterte Staatssekretärin Bärbl Mielich. „Deshalb sind lebenslanges Lernen und der Erwerb von Medienkompetenz auch für Ältere unabdingbar. Zur Unterstützung dieses wichtigen Anliegens fördert die Landesregierung schon seit 2015 das Senioren-Medienmentoren-Programm, mit dem schon mehr als 100 ehrenamtliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Regierungsbezirken geschult werden konnten.“

Medienkompetenz als Grundlage für digitale Teilhabe

Um die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, braucht es aktive Senioren, die auch bereit sind, sich dem Neuen zu stellen. „Die technologische Entwicklung wird vor allem auch im Medizinbereich und in der häuslichen Betreuung schnell weiter voranschreiten. Um die damit verbundenen Chancen nutzen zu können, ist es für den Einzelnen ganz besonders wichtig, dass er gelernt hat, mit neuen Medien umzugehen“, so der Vorsitzende des Landesseniorenrats, Roland Sing.

Medienkompetenz heißt auch, die Angst vor der Technik zu nehmen: Entweder durch Angebote von Vereinen, Volkshochschulen und Verbänden oder durch Kinder, Enkel oder Nachbarn, die Geräte und deren Bedienung erklären und zeigen, welche Vorteile sie bringen.

Gerade bei der Bedienungsfreundlichkeit von digitalen Geräten sieht LFK-Präsident Thomas Langheinrich aber noch Luft nach oben: „Wir kennen alle den Witz von der Angst, das Internet zu löschen. Das ist nicht das Problem. Unverständliche Handbücher und komplizierte Menüs in den Geräten sorgen eher für verständlichen Technikfrust, nicht nur bei den Senioren.“ Darum fordert Langheinrich die Hersteller auf, aktiv Senioren bei der Entwicklung neuer Geräte einzubinden und ihre Expertise für Verbesserungen zu nutzen.

Mehr barrierefreie Angebote

Neuere Studien, wie die ARD/ZDF-Massenkommunikation 2015 oder die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016, zeigen, dass die klassischen Linearmedien wie Fernsehen und Radio bei den über 50jährigen nach wie vor hohe Nutzungszeiten für sich verbuchen können, aber auch die Nutzung des Mediums Internet holt auf. “In Zeiten eines tiefgreifenden Medienwandels dürfen wir nicht diejenigen zurücklassen, die mit dem rasanten Tempo der Digitalisierung nur schwer mithalten können“, sagte SWR-Intendant Peter Boudgoust und erläuterte, dass der Südwestrundfunk gezielt Informationsangebote und Projekte zum Thema Digitalisierung für ältere Menschen fördere. „Zudem sind unsere Angebote barrierefrei, sodass sie auch Menschen mit Hör- oder Sehschwäche nutzen können. Damit ermöglichen wir den Menschen im Südwesten eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs – unabhängig ihres Alters“, so der Intendant.

Zahlreiche Initiativen und Projekte bereits erfolgreich

Die Tagung machte auch deutlich, dass es bereits zahlreiche Initiativen und Hilfestrukturen vor Ort gibt. Vereine, Bildungseinrichtungen sowie Netzwerke oder Mentorenprogramme erleichtern in der Stadt und auf dem Land den Senioren den Weg in die Digitalität und bieten Unterstützung. Weitere Initiativen fördern den sozialen Austausch und die Vernetzung im Alter. „Digitale Kompetenz bedeutet für ältere Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, betonte Staatssekretärin Gurr-Hirsch.

Auf Anregung der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) treffen sich seit 2015 verschiedene Institutionen und Organisationen aus Baden-Württemberg zu einem regelmäßigen Austausch im „Netzwerk Senioren im Internet” mit dem Ziel, die Aktivitäten zur Stärkung der Medienkompetenz Älterer zu bündeln. Aus diesem Netzwerk starker Partner heraus ist die Initiative zu dieser Fachtagung entstanden. Gefördert wird die Veranstaltung von der Landesanstalt für Kommunikation (LFK), dem Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk (SWR).

Die Vorträge und weiteres Material der Veranstaltung sind in den nächsten Tagen abrufbar unter www.fachtag-senioren.de.



Ihr Ansprechpartner
für alle journalistischen Fragen

Axel Dürr, Pressesprecher

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