Nr.: 10/05
Datum: 27.07.2005
Digitalforum der LFK in Stuttgart
Stuttgart, 27. Juli 2005 - Ist Fernsehen und digitales Radio über das Handy oder den PDA ein interessantes Geschäftsmodell auch für die regionalen Rundfunkveranstalter in Baden-Württemberg? Was planen die großen Player wie RTL oder Vodafone? Über diese Themen diskutierten auf dem von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) veranstalteten Digitalforum "Chancen und Risiken der digitalen Terrestrik - welche Geschäftmodelle haben Zukunft?" über 130 Teilnehmer in Stuttgart.
In seiner Begrüßungsansprache wies LFK-Präsident Thomas Langheinrich darauf hin, dass die LFK vor einer Entscheidung über die frequenztechnischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die neuen Techniken DVB-T, DVB-H und DMB steht. Die LFK sucht Lösungen, die Aussicht auf Akzeptanz beim Nutzer haben und auch Optionen für die regionalen Veranstalter im Land bieten. "Die LFK will hier zukunftsfähige Strukturen schaffen und sucht daher frühzeitig den Dialog mit Rundfunkveranstaltern und Netzbetreibern", so Langheinrich auf der Veranstaltung in der LFK.
Großes Potential für DVB-H sah Christina Hirsch von Vodafone. Dieser globale Standard biete Platz für 30 Kanäle auf einer Frequenz und damit viel Raum für traditionelle Rundfunkangebote, wie auch Handy-optimierte Formate.
Wie intensiv sich bundesweite Veranstalter schon auf Handy-TV eingestellt haben, präsentierte Robert Fahle, Leiter Mobile Media von RTL. Es gebe bereits Nachrichten als Mobile Video, die im UMTS-Standard schon eine Stunde vor der entsprechenden Nachrichtensendung im Fernsehen auf dem Handy verfügbar seien. "Europäische Nutzerumfragen zeigen, dass 40 bis 60 % der Mobilfunknutzer an Mobile TV interessiert und auch bereit sind, hierfür Abogebühren von ca. 5 bis 15 Euro zu bezahlen. Als weiteres wichtiges Geschäftsfeld werden die Veranstalter interaktive Spartenkanäle mit integrierter SMS- und MMS-Funktionalität entwickeln", so Robert Fahle.
Helmut G. Bauer verwies in seinem Referat zur Zukunft des Radios auf die große Zahl der jetzt schon vorhandenen Endgeräte von ipod bis Satelliten-Autoradios. Klassisches Radio sei bei vielen Geräten nur noch ein Mehrwert. Der Hauptnutzen des Endgerätes werde somit künftig auch über die Akzeptanz der mitübertragenen Rundfunkformate entscheiden. "Die Radioveranstalter müssen sich darauf einstellen, dass der Hörer künftig die Programmhoheit erhalten und Inhalte zur jeweils gewünschten Zeit nutzen werde", so Bauer weiter.
Gute Chancen für Geschäftsmodelle im Bereich Handy sahen auch die Vertreter der baden-württembergischen Rundfunkveranstalter, Carlheinz Gern von Donau 3 FM und Bernd Gehrung von R.TV.
"Die LFK wird die Ergebnisse des Digitalforums in ihre weiteren Planungen mit einbeziehen und sieht gute Chancen, die neuen Plattformen für neue Angebote nutzbar zu machen. Derzeit führen die Landesmedienanstalten unter der Federführung der LFK eine rechtliche und technische Analyse für ein gemeinsames bundesweites DMB-Projekt durch. Hier im Land könnten DVB-T und DVB-H folgen, sobald die analogen Kapazitäten abgeschaltet seien", so Thomas Langheinrich zum Abschluss der Veranstaltung. In Baden-Württemberg sind ZDF und SWR dabei, über das Ende des alten analogen Antennenfernsehens eine Entscheidung zu treffen.
