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Nr.: 07/10

Datum: 23.03.2010

Internet über Rundfunkfrequenzen im Ländlichen Raum getestet

Funkversuch Baldern zeigt Akzeptanz bei den Nutzern aber auch Störpotentiale beim Fernsehempfang und bei Mikrofonen

Stuttgart, 23.03.2010 - Durch die Nutzung von Rundfunkfrequenzen können bisher weiße Flecken im ländlichen Raum mit einem leistungsfähigen Internetzugang versorgt werden, das ist das Ergebnis eines von der Landesanstalt für Kommunikation auf Bitten der Landesregierung durchgeführten Modellversuchs.

Mitbeteiligt waren u.a. neben Vodafone als Mobilfunkbetreiber auch die Netzbetreiber und Rundfunkveranstalter Media Broadcast, Kabel BW und SWR sowie die zuständigen Verbände für den Bereich Kabel und drahtlose Mikrofone DKE und ANGA.


Hohe Zufriedenheit bei den Nutzern
Über 100 Bürger und Gewerbetreibende in Bopfingen (Baldern, Kerkingen, Itzlingen) und der Nachbargemeinde Unterschneidheim (Zöbingen, Walxheim) beteiligen sich seit fast einem Jahr an dem groß angelegten Versuch. Er soll zeigen, wie ein ländliches Gebiet ohne DSL oder Kabelinternet unter Alltagsbedingungen mit mobilem breitbandigem Internet versorgt werden kann. Die Nutzer wurden von Vodafone mit einem kostenlosen Endgerät ausgestattet und von dem von der LFK beauftragten Marktforschungsunternehmen BIK MARPLAN zu ihrem Nutzerverhalten und den Erfahrungen mit dem Funkinternet befragt. Der Nutzertest ergab eine hohe Zufriedenheit mit dem neuen Internetzugang. Waren zuvor mehr als Dreiviertel der Bürger mit ihrer Internetversorgung unzufrieden, so lag die Zufriedenheit nach der Installation der neuen schnellen Internetverbindungen bei über 90%. Vor allem die Suchfunktionen im Internet sowie Musik- und Bewegtbildangebote wurden von den Privathaushalten verstärkt genutzt. Bemerkenswerte Unterschiede gab es auch bei der geschäftlichen Nutzung. Hier stiegen die Werte für die Nutzung des Internets für die Pflege von Geschäftskontakten, die Kunden- und Auftragsrecherche drastisch an.

Um die Verträglichkeit von Funkinternet mit dem Fernsehempfang über Kabel und Antenne sowie die Störanfälligkeit von drahtlosen Mikrofonen zu untersuchen, wurden von den Projektbeteiligten ein gemeinsames Messkonzept entwickelt und mehrere Messungen vor Ort durchgeführt.


Störungen beim TV-Empfang möglich
Der Pilotversuch hat gezeigt, dass die Frequenzlage von 790 –862 MHz deutliche Vorteile bei der Versorgung einer Gemeinde im Ländlichen Raum hat gegenüber den bisher für die Internetverbreitung verwendeten Frequenzen. Der Funkversuch hat aber auch ergeben, dass es zu Störungen beim Fernsehempfang beim Antennenfernsehen (DVB-T) und beim Kabelfernsehen (DVB-C) sowie bei drahtlosen Mikrofonen kommen kann. Die durchgeführten Versuche und Messungen haben bestätigt, dass die aufgrund vorliegender (Labor-)Schutzabstandsmessungen zu erwartenden Störungen des DVB-T Empfangs beim praktischen Betrieb drahtloser Breitband-Modems auftreten können.

Ebenso wurde gezeigt, dass Störungen beim Kabelempfang (DVB-C) mit unterschiedlich stark sichtbaren Auswirkungen durch die mobilen Datenmodems auftreten können. Messtechnisch konnten Beeinflussungen des Kabel-TV-Signals auch auf anderen Kanälen beobachtet werden, sie führten aber nicht zu Bildstörungen am TV-Gerät. Beim Betrieb des Modems in benachbarten Räumen konnten ebenfalls messtechnisch Beeinflussungen festgestellt werden, die von den Beteiligten hinsichtlich Bildstörungen am TV-Gerät unterschiedlich bewertet wurden.


Maßnahmen zur Eindämmung von Störungen
Bei einer Zusammenarbeit aller Beteiligten können jedoch Lösungsmöglichkeiten gefunden werden, um das Risiko von Störungen zu reduzieren.

So bieten die Größen UMTS-Signalstärke, Verwendung von Dachantennen für DVB-T und der räumliche Abstand von Fernsehempfänger (bzw. –antenne) und Mobilfunkterminal sowie der ggf. denkbare Austausch von Teilen der Empfangsanlage Möglichkeiten zur Störungsbeseitigung, sodass im hier untersuchten Ländlichen Raum eine Koexistenz von DVB-Empfängern und UMTS-Endgeräten möglich ist oder mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln möglich gemacht werden kann. Mögliche Störungen von Basisstationen auf die Empfangswege DVB-C und DVB-T wurden allerdings nicht untersucht.

Die ebenso untersuchten Beeinflussungen von UMTS-Systemen auf Drahtlos-Mikrofonsysteme haben gezeigt, dass bei sorgfältiger Planung von Drahtlos-Mikrofon-Anlagen für entsprechende Veranstaltungen (z.B. Konzerte, Rundfunk-Berichterstattung) eine Koexistenz von Drahtlos-Mikrofon-Systemen und einem UMTS-Funkinternet-System möglich sein wird.

Angesichts der zu erwartenden flächigen Nutzung der Digitalen Dividende für Breitbandinternet empfiehlt die LFK, weitere Untersuchungen durchzuführen mit dem Ziel der Erstellung eines Katalogs konkreter Handlungsempfehlungen und der Information der Verbraucher.

Der Abschlussbericht des Funkversuchs in Baldern mit allen Messergebnissen und den Stellungnahmen aller Beteiligten steht ab Donnerstag, 25.03.2010 hier zum Download bereit.

www.lfk.de/abschlussbericht

 
Anlagen/ Präsentationen zur Veranstaltung:

- Abschlussbericht komplett zum Download als PDF

- Abschlussbericht - Kurzfassung zum Download als PDF

- Präsentation BIK MARPLAN zum Download als PDF

- Präsentation LFK zum Download als PDF

- Präsentation MEDIA BROADCAST zum Download als PDF

- Präsentation Kabel BW zum Download als PDF

- Präsentation Vodafone zum Download als PDF

- Präsentation DKE/ APWPT

. Programm zum Download als PDF Datei


Ihr Ansprechpartner
für alle journalistischen Fragen

Axel Dürr, Pressesprecher

Telefon: 0711 / 66 99 1 - 74
Email: a.duerr@lfk.de