Nr.: 31/08
Datum: 28.11.2008
Langheinrich: Chancen und Risiken im Internet erkennen Rundfunk ist noch nicht am Ende/ Die JIM-Studie liefert seit 10 Jahren Planungsdaten zur Mediennutzung
Stuttgart / Mannheim, den 28. November 2008 - Auch bei einer zunehmenden interaktiven Nutzung von Internet und Bewegtbild-Angeboten im Web dürfe nicht voreilig das Totenglöckchen für den linearen Rundfunk geläutet werden. Bei der Vorstellung der aktuellen JIM-Studie (Jugend Information Multimedia) in Mannheim sagte der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), Thomas Langheinrich, „die Gretchenfrage für die Weiterentwicklung von Radio und Fernsehen wird sein, ob die in der Jugend gelernte aktive und non-lineare Nutzung der Medien auch in späteren Jahren beibehalten wird oder ob auf Grund veränderter Lebenssituation und Zeitbudget vermehrt wieder lineares Radio und TV konsumiert wird.“ Um diese Frage zu klären, seien in den nächsten Jahren weitere Studien nötig.
Die JIM-Studie, die vor 10 Jahren von der LFK, der Rheinland-Pfälzischen Landesmedienanstalt (LMK) und dem Südwestrundfunk (SWR) ins Leben gerufen wurde, liefert jährlich aktuelle Daten zum Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information und gehört mittlerweile zu den wichtigsten Studien in Deutschland. Neben einer aktuellen Standortbestimmung weist sie aktuelle Planungsdaten für alle Medienschaffenden aus. Die LFK nutzt darüber hinaus die Daten, um mit Partnern geeignete Projekte ins Leben zu rufen, die die Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen fördern.
Die Schreckensmeldung über den Selbstmord eines Jugendlichen vor laufender Webcam und Internet-Community sei nach Auffassung von Langheinrich ein Extremfall, der nicht für einen generellen Verfall der Werte durch das Internet stehen könne. „Er zeigt uns aber, dass wir nicht zur Tagesordnung übergehen dürfen“. Die JIM-Studie helfe, genauer hin zu schauen, um tatsächliche Trends frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
So hatte die LFK aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Handys und zahlreicher Meldungen über den Missbrauch von Handytechnologie entschieden, mit Handysektor eine Seite für Jugendliche anzubieten, die ihnen direkt Informationen und konkrete Tipps rund um das Handy liefert (www.handysektor.de). Die Erkenntnisse über die zunehmende Nutzung von Chat und Instant Messengern führten zu einer Kooperation mit Jugendschutz.net mit dem Internetangebot www.chattenohneRisiko.de.
Langheinrich wies darauf hin, dass es eine wichtige Aufgabe der Medienpädagogik sei, Kinder und Jugendliche bereits früh für den verantwortlichen Umgang mit den eigenen Daten zu sensibilisieren. Denn durch die zunehmende aktive Beteiligung an Chats, Netzwerken und Social Communities stellten die Jugendlichen viele persönliche Informationen ins Netz. „Das eigene Leben wird so zum offenen Buch und das Internet vergisst nie.“
Über die JIM-Studie
Vor 10 Jahren hat die LFK gemeinsam mit der LMK und dem SWR die Langzeitstudie JIM ins Leben gerufen. Ziel war es, die 1998 aufkommende Diskussion über die Mediennutzung und das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen mit objektiven Daten zu versachlichen. Insbesondere die „neuen“ Medien Computer und Internet, aber auch das Handy brachten eine ungeheure Dynamik in die Medienwelt von Jugendlichen. Seit 1998 dienen die vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (MPFS) erhobenen Daten nicht nur den Landesmedienanstalten und Rundfunkveranstaltern als Planungsinstrument, sondern auch anderen Verantwortlichen in Medien, Schule, Politik, Erziehung und Prävention als wichtige Arbeitsgrundlage und Basisinformation.
