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Axel Dürr, Pressesprecher

Telefon: 0711 / 66 99 1 - 74
Email: a.duerr@lfk.de

Nr.: 21/10

Datum: 05.11.2010

Medienkompetenz ist digitaler Sicherheitsgurt im Netz

LFK und jugendschutz.net informieren über Gefahren im Internet


Stuttgart, 05.11.2010 - Vor dem Hintergrund der Diskussion um die RTL-II Sendungen „Tatort Internet“ hat der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) Thomas Langheinrich auf die Gefahren des Internet hingewiesen. „Im Netz braucht man digitale Sicherheitsgurte“, sagte Langheinrich in Stuttgart und nannte als zentrale Maßnahme die verstärkte Vermittlung von Medienkompetenz. Es sei allerdings auch nicht hilfreich, Ängste zu schüren, und so zu tun, als ob hinter jeder digitalen Ecke Verbrecher und Kinderschänder lauern würden.

„Die jugendliche Kommunikation läuft im Netz überwiegend über soziale Netzwerke
wie Facebook oder SchülerVz, aber auch über Chats und Instant Messenger. Es ist
wenig sinnvoll, diese Kommunikation erst ab 16 Jahren zu erlauben, wie es
bisweilen gefordert wird. Sinnvoller ist es sicher, offen mit Kindern und
Jugendlichen über mögliche Fußangeln im Netz zu sprechen und sie so zu
sensibilisieren.“ Auch speziell moderierte Kinderchats und entsprechende
Notrufbuttons in allgemein zugänglichen Chats hätten sich bewährt, so Langheinrich.

Unterstützung erhält der LFK-Präsident von Friedemann Schindler, Leiter von
jugendschutz.net, einer zentralen Einrichtung, die das Internet kontrolliert und für die Einhaltung des Jugendschutzes sorgt. „Risiken in den Chats können minimiert
werden, wenn die Betreiber die Sicherheit erhöhen und etwa fremde Belästiger
dauerhaft ausschließen würden. Dazu brauchen wir bessere Notfallszenarien in den
Chats, etwa durch Ansprechpartner, die von den Kindern schnell kontaktiert und
einfach erreicht werden können. Auch ein Notfall-Button kann helfen“, so Schindler.
Aber auch die Aufklärung der Nutzer muss intensiviert werden.

„Sexuelle Belästigungen im Netz sind an der Tagesordnung, das so genannte Cyber-Grooming ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Unsere Recherchen belegen, dass Treffen von Kindern mit potentiellen Sextätern dann zustande kommen können, wenn die Kinder die Avancen im Netz nicht hinterfragen“, erläutert Schindler.

Typische Strategie des Cyber-Groomings, also der gezielten sexuellen Anmache in
den Chats sei es, zuerst Vertrauen aufzubauen. Dabei hält der Täter oftmals unter
einer Tarnidentität über längere Zeit Kontakt mit seinem kindlichen Opfer und horcht es aus. „Oftmals werden hier bereits vom Täter Versuchsballons gestartet, ob das Kind auch für sexuelle Kontakte empfänglich ist, indem etwa pornografisches Material übersandt oder sexuelle Wünsche geschildert werden“, berichtet Schindler. Gleichzeitig prüft der Täter, ob es sich wirklich um ein Kind handelt. Darum versucht er beispielsweise telefonischen Kontakt auf zu nehmen oder über Webcams zu kommunizieren. Als letzter Schritt wird dann ein Treffen vereinbart, bei dem die Falle zuschnappen soll.

Der Weg der potentiellen Täter wird auch dadurch geebnet, weil Kinder und
Jugendliche oft sorglos mit ihren persönlichen Daten umgehen. Das bestätigt auch
Thomas Rathgeb, der in der LFK die Geschäftsstelle des Medienpädagogischen
Forschungsverbundes Südwest (mpfs) leitet, der die zentralen Studienreihen KIM
und JIM in Deutschland herausgibt. Die Studien dokumentieren Mediennutzung und
Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen.
„Das Verbreiten der eigenen Daten in den ist mittlerweile in den sozialen Netwerken
an der Tagesordnung. So geben Kinder und Jugendliche vor allem Infos über ihre
Hobbys preis und stellen eigene Fotos und Filme, aber auch von Freunden und
Familie ins Netz“, weiß Rathgeb. Die Adressaten sind aber nicht nur Bekannte. So
wurden laut JIM-Studie vier von 10 Jugendlichen im Internet von Fremden schon
nach Adresse, Telefonnummer und Namen gefragt. “Dabei hat immerhin einer von
den vier Angefragten seine Daten auch herausgegeben. Das spricht dafür, dass hier
das Bewusstsein über die Risiken weiter geschärft werden muss“ Viele der
Jugendlichen sind auch bereit, es nicht nur beim virtuellen Kontakt zu belassen: So
hat sich laut JIM-Studie jeder vierte jugendliche Internetnutzer mit Personen, die er
im Internet kennen gelernt hat auch persönlich getroffen.

Aufklärung ist also wichtig und das nicht nur bei Kindern und Jugendlichen. Auch
Eltern und Pädagogen müssen verstärkt in Medienkompetenzprojekte integriert
werden, damit sie die Welt, in der ihre Kinder leben, besser verstehen. Trotz allem:
„Wenn Kinder, Jugendliche und Eltern beim Chatten die wichtigsten
Sicherheitsregeln einhalten, dann drohen hier weniger Gefahren als auf dem
Kinderspielplatz“, ist Jugendschützer Schindler überzeugt.



Informationen über den richtigen Umgang mit den Chats und dem Internet bieten
von der LFK geförderte Seiten. www.internet-abc.de führt vor allem jüngeren
Kinder mit vielen Spielen ins Netz ein. Orientierung bietet auch www.klick-tipps.net
mit einem attraktiven Verkehrsleitsystem durchs WorldWideWeb, das viele
kindgerechte Internetangebote auflistet. www.chatten-ohne-risiko.de wendet sich
auch an Eltern und Pädagogen. Hier werden auch Unterrichtsmaterialien zum
Download angeboten. Wichtige Informationen, Tipps und Ratschläge findet man
auch beim europäischen Projekt für mehr Sicherheit im Netz, www.klicksafe.de.