Nr.: 46/2010
Datum: 25.02.2010
Startschuss für die Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg
„Kinder und Jugendliche wachsen heute wie keine andere Generation zuvor in
einer stark von Medien geprägten Welt auf. Aber nur wenn Kinder und
Jugendliche mit den medialen Angeboten qualifiziert und eigenverantwortlich
umgehen können, sind sie in der Lage, die vielfältigen Möglichkeiten der neuen
Medien zu nutzen und sind gleichzeitig auch vor deren Gefahren ausreichend
geschützt. Um Kinder und Jugendliche in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld zu
erreichen, setzen wir im Rahmen der Initiative Kindermedienland Baden-
Württemberg auf eine dezentrale Vermittlung von Medienkompetenz in den
Familien, in den Schulen und in der außerschulischen Jugendarbeit“, erklärte
Medienminister Prof. Dr. Wolfgang Reinhart auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz, SWRIntendant
Peter Boudgoust und Hans Beerstecher, Vorstandsmitglied der
Landesanstalt für Kommunikation (LFK), am Dienstag (23. Februar 2010) in
Stuttgart.
Bündelung und Vernetzung der Medienkompetenzangebote
Unter dem gemeinsamen Dach der „Initiative Kindermedienland“ werden die
zahlreichen Institutionen, Verbände und Einrichtungen, die landesweit in der
Medienpädagogik und -kompetenzvermittlung aktiv sind, gebündelt und so
prägnant für die Erziehungsverantwortlichen sichtbar gemacht. „Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit dem Internet und anderen neuen
Medien beizubringen, ist nicht nur Aufgabe der Politik. Dies ist eine
Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, die nur im Schulterschluss mit
Eltern und Erziehungsverantwortlichen gemeistert werden kann“, betonten
Minister Reinhart und die Kinderbeauftragte der Landesregierung Ministerin
Stolz. Die Initiative Kindermedienland werde daher auch nicht von der
Landesregierung allein getragen: Mit der Landesanstalt für Kommunikation, dem
SWR, dem Landesmedienzentrum und der MFG Medien- und Filmgesellschaft
Baden-Württemberg habe das Land bei der Initiative Kindermedienland starke
Partner an seiner Seite.
SWR-Intendant Peter Boudgoust: „Der SWR hat die Förderung der
Medienkompetenz schon immer als seine Aufgabe angesehen. Wir machen
hochwertiges, werbe- und gewaltfreies Kinderprogramm, vom Kinderkanal Ki.Ka,
den ARD und ZDF gemeinsam betreiben, über Sendungen wie den ‚Tigerenten
Club’, den der SWR für Das Erste produziert, bis zu den trimedialen
Kindernachrichten ‚Minitz‘. Aber wir engagieren uns auch über das Programm
hinaus: So zeigen SWR-Mitarbeiter an Schulen, wie Radio und Fernsehen
gemacht werden. Eltern werden ihre Kinder nicht vor allem beschützen können,
was ihnen im Internet oder in anderen Medien begegnet. Umso wichtiger ist es,
die Medienkompetenz der Kinder zu fördern und ihnen das Rüstzeug für den
richtigen Umgang mit Medien mitzugeben. Der SWR will Eltern und Kindern
dabei ein verlässlicher Partner sein.“
„Die LFK ist gerne bereit als Partner ihre Erfahrung in das Projekt einzubringen
und ihre wichtige Arbeit in der Vermittlung von Medienkompetenz weiter
auszubauen“, erklärte LFK-Vorstandsmitglied Hans Beerstecher. „So ist die LFK
beispielsweise seit Jahren an der Stiftung Medienkompetenz für den Südwesten
beteiligt. Die Initiative Kindermedienland bietet die Chance, dass Projekte, die
eine verantwortliche und kompetente Mediennutzung zum Ziel haben, noch
stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Bei einem stetig
wachsenden Medienangebot ist es eine dringliche Aufgabe, dass die
Gesellschaft sich stärker an allen Fragen etwa zum Jugendschutz beteiligt und
den Prozess aktiv gestaltet.“
Die Gesamtkonzeption der Initiative Kindermedienland, erklärte der
Medienminister, setze sich aus mehreren Bausteinen zusammen:
Öffentlichkeit für das Thema Medienkompetenz sensibilisieren
„Insgesamt fehlt es immer noch an einem gesamtgesellschaftlichen
Bewusstsein, dass die sinnvolle Mediennutzung, wie jede andere Kulturtechnik
auch, erst erlernt werden und man sich deshalb aktiv um die Medienbildung von
Kindern und Jugendlichen kümmern muss. Mit der Sensibilisierungskampagne
wollen wir daher ein breites öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung von
qualifizierter Mediennutzung schaffen“, hob der Minister hervor. Zum Auftakt
würden für die kommenden 10 Tage großflächige Plakate mit drei Motiven zum
Thema Internetnutzung in insgesamt 43 Städten Baden-Württembergs an stark
frequentierten Ein- und Ausfallstraßen, Verbrauchermärkten und Haltestellen des
ÖPNV platziert.
Um möglichst viele Erziehungsverantwortliche zu erreichen, würden neben den
Plakaten auch ein Radiospot auf SWR 1 sowie Anzeigen in Eltern-Kind-
Zeitschriften in den Regionen Stuttgart, Karlsruhe, Offenburg/ Freiburg und
Rhein-Neckar geschaltet. „Mit dem ironisch-humorvollen Ansatz der
Anzeigenmotive wollen wir Eltern, Lehrkräften und andere Multiplikatoren den
Zugang zu dem vielschichtigen Thema erleichtern und einen Anstoß dafür
geben, sich zu informieren“, sagte der Medienminister.
Höhere Transparenz der Angebote durch Internetplattform
Im Rahmen der Kampagne werde daher auf die Internetplattform
www.kindermedienland-bw.de verwiesen, die ab sofort besucht werden könne,
sagte Minister Reinhart. „Sie dient als Einstiegsportal, das einen Überblick über
die vorhandenen Angebote und Projekte gibt. Hauptzielgruppen sind dabei
Eltern, Erziehungsberechtigte, Lehrkräfte und andere Multiplikatoren.“ Auf der
Startseite würden aktuelle Nachrichten aus dem Kindermedienland abgebildet,
die vom medien-pädagogischen Online-Angebot „medi@culture-online“
übernommen werden. Daneben ermögliche das Portal über eine Navigation mit
Erläuterungen einen Zugang zu den im Kindermedienland vorhandenen
Projekten, Forschungsergebnissen, Materialien und Informationen. In einem
Serviceteil sollen Anlauf- und Beratungsstellen, Hotlines und Tipps für
altersgerechte Medienangebote vorgestellt werden.
Neue Medienkompetenzprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 4
Millionen Euro aufgelegt
„Das Herzstück der Initiative aber bildet eine breite Palette an neuen
Medienkompetenzprojekten mit einem Volumen von insgesamt rund 4 Millionen
Euro aus Mitteln der Zukunftsoffensive III“, hob Reinhart hervor. Kinder und
Jugendliche sollen dazu motiviert werden, aus der Rolle des passiven Konsumenten herauszutreten und Medien selbst kreativ zu gestalten. Mit dem
Projekt „Vom Skizzenblock auf die Kinoleinwand“ des Kinomobil e.V. könnten
beispielsweise Kinder und Jugendliche eigene Trickfilme erstellen. Im Rahmen
eines Schülerwettbewerbs haben Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 6
und 16 Jahren die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Medien erstellte Beiträge
einzureichen und sich so bei der kreativen Mediengestaltung deren
Wirkungsweisen bewusst zu machen.
Dezentraler Ansatz zur Medienkompetenzvermittlung
„Kinder und Jugendliche sind heute nicht selten versierter in der Mediennutzung
als ihre Eltern und Lehrer. Mit passgenauen Angeboten wollen wir deshalb
gezielt die Medienkompetenz von Eltern, Lehrkräften und anderen
Multiplikatoren stärken“, unterstrichen Minister Reinhart und Sozialministerin
Stolz den dezentralen Ansatz der Initiative. Im Rahmen eines von der Aktion
Jugendschutz Baden-Württemberg konzipierten Projekts sei beispielsweise
geplant, Schulungen für Multiplikatoren der Sozialpädagogischen Familienhilfe
anzubieten, erklärte die Ministerin weiter. Diese sollen nach einer
Qualifizierungsphase ihr Wissen in der täglichen Arbeit mit Eltern und Kindern
aus bildungsfernen Familien weitergeben.
Hinweis an die Redaktionen:
Eine Übersicht aller im Rahmen der Initiative Kindermedienland neu aufgelegten
Medienkompetenzprojekte ist in der Anlage beigefügt.
Der Ministerrat hat am 27. Juli 2009 die Eckpunkte der Initiative Kindermedienland
Baden-Württemberg gebilligt und 1,5 Mio. Euro aus Mitteln der
Zukunftsoffensive III bereit gestellt. Die LFK stellt 450.000 Euro zur Verfügung.
Im September 2009 hat der Ministerrat auf Grundlage einer gemeinsamen
Kabinettsvorlage von KM und StM für drei Medienkompetenzprojekte
(„Schülermedienmentoren-Programm“, „Mediengestützte Selbstlernphasen“,
„Bildungsprojekt Medienkompetenz“) zusätzlich 2,84 Mio. Euro aus Mitteln der
Zukunftsoffensive III bereit gestellt.
Am 11. Januar 2010 hat der Ministerrat der Gesamtkonzeption der Initiative
Kindermedienland zugestimmt.
Anlage: Übersicht neue Medienkompetenzprojekte der Initiative Kindermedienland
Kontakt bei Medien-Rückfragen:
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Pressestelle der Landesregierung
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Fax (0711) 21 53 - 340
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