JIM-plus 2022

Auf dieser Seite sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie „JIMplus 2022“ zusammengefasst, die ergänzend zur regulären JIM-Studie Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren nach ihrer Wahrnehmung von Fake News und Hatespeech befragt.

Bild von drei jungen Menschen, die auf ein Laptop blicken

Drei Viertel der Jugendlichen nehmen Hatespeech online zumindest selten wahr.

80 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben zumindest gelegentlich Fake News im Internet wahrgenommen.

Ein Drittel der Jugendlichen postet seine Meinung zumindest teilweise nicht mehr öffentlich aus Angst vor negativen Reaktionen.

Für die „JIMplus Fake News und Hatespeech“ wurde unter anderem den Fragen nachgegangen, was Jugendliche unter Fake News und Hatespeech verstehen, auf welchen Plattformen sie damit konfrontiert werden und wie sie mit diesen Phänomenen umgehen.

Zunächst zeigt die Studie, dass Gespräche mit der eigenen Peergroup der Hauptweg sind, auf dem Jugendliche zufällig und ohne gezielte Suche auf neue Informationen stoßen. Algorithmusgesteuerte Vorschläge im Internet (z.B. auf YouTube, TikTok oder Instagram) spielen hierbei ebenfalls eine sehr große Rolle und stehen noch vor "klassischen Medien" wie Radio oder Fernsehen.

Wege der zufälligen Information  

Das Balkendiagramm zeigt verschiedene Wege, wie Informationen zu Jugendlichen gelangen können, ohne, dass diese danach suchen. Basis bilden alle 1060 Befragten. 59 % gelangen über Gespräche mit Freunden oder Familie an zufällige Informationen. 41 % über Vorschläge beispielsweise auf YouTube oder Twitch, 39 % über das klassische Fernsehen, 36 % über die Tiktok for-you-Seite, 35 % über den Instagram-Feed, 33 % über das Radio, 26 % über News-Vorschläge auf der Browser-Seite oder auf dem Smartphone, 24 % über den Content des Liebslings-Youtubers, Influencers oder Streamers. 21 % erhalten zufällig Informationen, wenn sie in ihren Nachrichten-Apps scrollen, 19 % über Plakate und Bildschirme im öffentlichen Raum, 16 % über Push-Benachrichtigungen, die sie in ihren Nachrichten-Apps eingeschaltet haben, 15 % über gedruckte Tageszeitungen, 12 % über regionale Gruppen wie beispielsweise auf Facebook, 12 % über Podcasts und 9 % über Newsletter, die sie abonniert haben.
Quelle: JIMplus 2022, Modul 2, Angaben in Prozent, Basis: alle Befragten, n=1.060

Fake News

Im digitalen Raum kommen viele Jugendliche regelmäßig mit Falschinformationen in Berührung. 18 % der Befragten gaben an, sehr häufig Fake News im Internet wahrzunehmen, 44 % stoßen gelegentlich auf Fake News im Netz und 18 % selten. Lediglich 6 % der befragten Jugendlichen wurde noch nie mit Fake News konfrontiert.

 

Fake News Wahrnehmung im Internet

Die Grafik zeigt wie häufig Fake News von Jugendlichen im Netz wahrgenommen werden. Basis bilden alle 1060 Befragten. 18 % nehmen Fake News häufig wahr, 44 % gelegentlich, 18 % selten und 6 % nie. 15 % haben die Antwortmöglichkeit Weiß nicht gewählt. Von den Mädchen geben 17 % an, häufig auf Fake News zu stoßen, 47 % gelegentlich, 17 % selten und 4 % nie. Unter den Jungen sind es 19 %, denen häufig Fake News begegnen, 40 % gelegentlich, 19 % selten und 9 % nie. 14 % der 12 bis 13 Jährigen haben häufig Kontakt mit Fake News, 34 % gelegentlich, 17 % selten und 10 % nie. Unter den 14 bis 16 Jährigen nehmen 15 % häufig, 45 % gelegentlich, 20 % selten und 6 % nie Fake News wahr. Bei den 17 bis 19 Jährigen sind es 24 %, die häufig Fake News wahrnehmen, 51 % gelegentlich, 17 % selten und 3 % nie.
Quelle: JIMplus 2022, Modul 2, Angaben in Prozent, Basis: alle Befragten, n=1.060

Die Top 5 Fake News-Themen, die von Jugendlichen zumindest gelegentlich im Internet wahrgenommen werden sind die Corona-Pandemie (74 %), Personen des öffentlichen Lebens (67 %), Politik (56 %), die sogenannte Lügenpresse (55 %) und der Krieg in der Ukraine (52 %). Diese Vielfalt an Falschinformationen unterstreicht einmal mehr die große Verantwortung, die Social-Media-Angeboten - auch jenseits der reinen Interaktion und Kommunikation - zukommt und gleichzeitig die Notwendigkeit effektiver Regulierungsmechanismen sogenannter Medienintermediäre.

Fake News – Wie werden sie überprüft?

Das Balkendiagramm zeigt verschiedene Wege Fake News zu überprüften und jeweils den Anteil an Jugendlichen, die diese nutzen. Basis bilden die Jugendlichen, die Informationen überprüfen (n=750). 59 % überprüfen, ob auch andere Quellen darüber berichten. 49 % fragen ihre Eltern, ob eine Information wahr ist. 38 % überprüfen, ob die Vertrauenswürdigkeit in den Kommentaren angezweifelt wird. 27 % informieren sich, ob die Nachricht als Fake News eingestuft wurde. 33 % fragen Freunde oder Geschwister nach ihrer Meinung. 25 % geben an, dass sie sich auf ihren Menschenverstand verlassen. 25 % recherchieren den Hintergrund des Absenders. 18 % kontrollieren, ob es ein Impressum gibt. 17 % überprüfen das Thumbnail und den Titel, ob es nur Clickbait-Content ist. 16 % fragen ihre Lehrkraft. 14 % nutzen die Rückwärts-Bildersuche bei Google. 9 % vertrauen dem Inhalt, wenn ein Video seriös gemacht ist. 8 % vertrauen dem Inhalt, wenn sie den Absender kennen. 8 % vertrauen dem Inhalt, wenn der Account einen blauen Haken hat und 5 % vertrauen dem Inhalt, wenn ein Account viele Followerinnen und Follower hat.
Quelle: JIMplus 2022, Modul 2, Angaben in Prozent, Basis: Befragte, die Informationen überprüfen, n=750

Die zwei wichtigsten Wege zum Überprüfen einer zweifelhaften Nachricht sind das Suchen nach anderen Quellen (59 %) und das Fragen der Eltern, ob die Information wahr ist (49 %). Aber auch komplexere Mechanismen wie die Kontrolle des Impressums (18 %) und die Möglichkeit der Verifizierung durch eine umgekehrte Bildersuche bei Google (14 %) sind den Jugendlichen bekannt.

Hatespeech

Drei Viertel der Jugendlichen nehmen Hatespeech online mindestens selten wahr. Die Wahrnehmung ist mit 67 % am geringsten bei den 12- bis 13-Jährigen, mit 87 % am höchsten bei den 17- bis 19-Jährigen.

Die Grafik zeigt die Häufigkeit mit welcher Jugendliche online mit Hatespeech wahrnehmen. Basis bilden alle 1060 Befragten. 20 % nehmen Hatespeech häufig wahr, 33 % gelegentlich, 22 % selten und 23 % nie. Unter den Mädchen nehmen 25 % häufig Hatespeech wahr, 32 % gelegentlich, 20 % selten und 22 % nie. Bei den Jungen 14 % häufig, 35 % gelegentlich, 24 % selten und 26 % nie. Unter den 12 bis 13 Jährigen sind es 9 %, die häufig Hatespeech wahrnehmen, 31 % gelegentlich, 27 % selten und 33 % nie. Bei den 14 bis 16 Jährigen 20 % häufig, 32 % gelegentlich, 22 % selten und 25 % nie. Bei den 17 bis 19 Jährigen 31 % häufig, 38 % gelegentlich, 18 % selten und 13 % nie.
Quelle: JIMplus 2022, Modul 2, Angaben in Prozent, Basis: alle Befragten, n=1.060

Am häufigsten begegneten die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Hatespeech in Kommentarspalten im Internet (90 %), gefolgt von hasserfüllten Posts auf Social-Media oder anderen Websiten (86 %) und Gruppen- oder Klassenchats bzw. privaten Nachrichten (78 %).

Hatespeech – Plattform

Das Balkendiagramm zeigt verschiedene Plattformen und jeweils den Anteil an Mädchen und Jungen, die auf diesen mit Hatespeech in Kontakt kommen. Basis bilden alle Befragten, denen online Hatespeech begegnet (n=812). 57 % der Mädchen und 37 % der Jungen kommen auf Instagram mit Hatespeech in Kontakt. Auf TikTok sind es 52 % Mädchen und 44 % Jungen, auf YouTube jeweils 43 % Jungen und Mädchen, auf WhatsApp 35 % Mädchen und 36 % Jungen, auf Facebook 22 % Mädchen und 25 % Jungen, auf Twitter 17 % Mädchen und 27 % Jungen, auf Snapchat 17 % Mädchen und 14 % Jungen, auf Telegram 9 % Mädchen und 16 % Jungen, auf Discord 8 % Mädchen und 19 % Jungen und auf Twitch 8 % Mädchen und 16 % Jungen.
Quelle: JIMplus 2022, Modul 2, Angaben in Prozent, Basis: Befragte, denen online Hatespeech begegnet ist, n=812

Hatespeech wird vor allem auf den vier wichtigsten Apps der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wahrgenommen: TikTok, Instagram, YouTube und WhatsApp. Im Geschelchtervergleich kommen Mädchen häufiger auf Instagram und TikTok mit Hatespeech in Kontakt, wohingegen Jungen Hassbotschaften häufiger auf Twitter, Discord und Twitch begegnen.

Hatespeech – Reaktionen

Die Grafik zeigt verschiedene Reaktionen auf Hatespeech und jeweils die Häufigkeit, mit welcher Jugendliche diese ausführen. Basis bilden alle befragten Jugendliche, denen online Hatespeech begegnet ist (n=812). 32 % ignorieren Hatespeech häufig, 39 % gelegentlich, 21 % nie. 31 % sprechen häufig mit ihren Freunden darüber, 47 % gelegentlich, 18 % nie. 27 % blockieren den Absender häufig, 38 % gelegentlich, 27 % nie. 24 % sprechen häufig mit ihren Eltern darüber, 39 % gelegentlich, 33 nie. 21 % melden Hatespeech häufig der Plattform, 32 % gelegentlich, 41 % nie. 16 % sprechen häufig mit ihren Geschwistern darüber, 25 % gelegentlich, 52 % nie. 10 % antworten häufig darauf und stellen die Person zur Rede, 35 % gelegentlich, 49 % nie. 7 % sprechen häufig mit ihren Lehrkräften darüber, 27 % gelegentlich, 62 % nie. 3 % melden den Vorfall häufig der Polizei, 8 % gelegentlich, 81 % nie.
Quelle: JIMplus 2022, Modul 2, Angaben in Prozent, Basis: Befragte, denen online Hatespeech begegnet ist, n=812

Interessant ist hier, dass trotz des hohen Bedürfnises eingreifen zu wollen, die wenigsten Jugendlichen aktiv auf Hatespeech reagieren und Hassbotschaften in den meisten Fällen einfach ignorieren. Am ehesten verarbeiten die Jugendlichen Hatespeech durch den direkten Kontakt und Austausch mit Personen aus dem eigenen Umfeld.

Allerdings ziehen 34 % der befragten Jugendlichen aus der Zunahme an Hatespeech im Internet für sich die Konsequenz, dass sie ihre eigene Meinung aus Angst vor negativen Reaktionen nicht mehr öffentlich posten.

Über die „JIMplus Fake News und Hatespeech“

Für die „JIMplus Fake News und Hatespeech“, eine Zusatzstudie zur Studienreihe Jugend, Information, Medien (JIM), die am 22.07.2022 veröffentlicht wurde, wurden in einem ersten, qualitativen Schritt 36 Jugendliche von 14 bis 19 Jahren anhand von Tagebüchern und Online-Fokusgruppen befragt. Hierbei stand im Vordergrund, das Verständnis der Begriffe zu klären und persönliche Erfahrungen abzufragen.

In einem zweiten, quantitativen Schritt wurde vom 8. bis 17. Juni 2022 eine repräsentative Online-Befragung mit 1.060 Zwölf- bis 19- Jährigen in ganz Deutschland durchgeführt. Ziel war die Erfassung individueller Wege zur Informationsbeschaffung sowie die Wahrnehmung und der Umgang mit Fake News und Hatespeech im Netz.

Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR) durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Alle Ausgaben der JIM-Studie von 1998 bis 2021 sind als PDF auf www.mpfs.de abrufbar. Der mpfs ist eine Kooperation der LFK und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz.

JIMplus 2022 zum Download (PDF)

LFK mit zahlreichen Medienkompetenz-Angeboten für Jugendliche

Die LFK begleitet mit dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) die Entwicklung der Mediennutzung von Jugendlichen mit der JIM-Studie, aber auch vergleichbaren Studienreihen bei (Klein-)Kindern und Familien, bereits seit vielen Jahren. Die aus den Studien gewonnenen Ergebnisse sind Grundlage der Entwicklung zahlreicher Medienkompetenzprojekte für Kinder, Jugendliche und deren Eltern in Baden-Württeberg und darüber hinaus.

So bieten wir beispielsweise mit Handysektor eine Plattform mit Tipps und Tricks im Umgang mit Sozialen Medien für Jugendliche an. Das Angebot reicht dabei von Erklärung der AGBs einzelner Sozialer Netzwerke, über den richtigen Umgang mit Fake News und Hate Speech bis hin zur Erklärung der Funktionsweise einzelner Apps.

Eltern können sich beispielsweise über unsere gemeinsam mit den Medienanstalten Bremen (brema) und Mecklenburg-Vorpommern (MMV) realisierte Angebot medien-kindersicher über die richtige Konfigurierung der Jugendschutzeinstellungen von Diensten oder Endgeräten ihrer Kinder informieren.

Kontakt

Yvonne Gerigk
Landesanstalt für Kommunikation
Medienforschung; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)
Tel.: 0711 66991-51
E-Mail: y.gerigk@lfk.de

Eine Studie von: