Direkt zum Inhalt springen Direkt zur Navigation springen Direkt zur Suche springen

Nr.: 01/15

Datum: 16.01.2015

Die LFK zur Entscheidung von TV Südbaden, heute (Freitag), den Sendebetrieb einzustellen.

-

Stuttgart, 16.01. 2015. Die Landesanstalt für Kommunikation (LFK) hat mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass die Gesellschafter des regionalen Fernsehsenders TV Südbaden (Freiburg) entschieden haben, Informationen aus der Region nur noch über das Internet zu verbreiten und den normalen Sendebetrieb im Kabel und über Satellit einzustellen. „TV Südbaden ist seit 2001 auf Sendung und ist seit dieser Zeit eine journalistische Stimme der Region, die mit für Vielfalt sorgt. Doch auch für die Mitarbeiter, die zum Teil seit vielen Jahren bei TV Südbaden tätig sind, bedeutet die Einstellung des Sendebetriebes an diesem Freitag ein tiefer Einschnitt“, kommentiert LFK-Präsident Thomas Langheinrich. Der regionale Radiosender baden.fm, der auch zum Funkhaus Freiburg gehört, soll seinen Betrieb ohne Einschränkungen weiterführen.

Die wirtschaftlich angespannte Situation von TV Südbaden ist allerdings kein Einzelfall. Generell sei die Finanzierungsgrundlage vieler regionaler und lokaler privater Fernsehsender in Deutschland schwierig, so Langheinrich. Das belegen auch die wirtschaftlichen Daten. 2012 hatten deutschlandweit die lokalen Fernsehsender nur noch einen Kostendeckungsgrad von 90 Prozent.
2010 waren es noch 97 Prozent.

Im Vergleich zu den großen privaten Senderfamilien oder den beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Programmen stehen den regionalen und lokalen Veranstaltern nur die vergleichsweise geringen Erlöse aus regionaler Werbung zur Verfügung. Viele Sender versorgen zudem in strukturschwachen Regionen Zuschauer mit lokalen Informationen. „In der Schweiz hat man bereits vor Jahren erkannt, dass lokaler Rundfunk nur mit konkretem Programmauftrag und anderen Fördermodellen eine Zukunft hat“. Denn die Produktion von Bewegtbild-Informationsangeboten ist mit die kostenintensivste. Darüber hinaus müssen die kleinen lokalen Sender mit ihrem geringen Budget ähnlich wie die großen nationalen Anbieter permanent technische Investitionen tätigen, um etwa mit ihren Inhalten auf allen Smart-TV-Geräten, Tablets oder Smartphones verfügbar zu sein. „Aufgrund der rasanten technischen Transformation und der zum Teil schwierigen Entwicklung des regionalen Werbemarktes nimmt der ökonomische Druck immer weiter zu. Wenn uns regionale und lokale Rundfunkinformationen wichtig sind, dann muss die Finanzierung von lokalem und regionalem Fernsehen nachhaltig auf neue Beine gestellt werden“, fordert LFK-Präsident Thomas Langheinrich.

Die Landesmedienanstalt hat den Medienwirtschaftsexperten Prof. Dr. Boris Kühnle beauftragt, in einer Studie auszuloten, wo Entwicklungsperspektiven für regionales Fernsehen liegen und welcher Hebel es bedarf, lokale und regionale Informationsvielfalt zu fördern und die Sender wirtschaftlich zu konsolidieren. „Die Situation von TV Südbaden zeigt deutlich, dass wir mit Hilfe der Medienpolitik auch rechtliche Änderungen und neue Finanzierungsoptionen brauchen, damit
die für die Meinungsbildung relevanten lokalen Rundfunkinhalte nicht im digitalen Dickicht auf der Strecke bleiben“, so Langheinrich. Ergebnisse der Studie sollen im Frühjahr vorliegen. Auch bei einer Änderung der Rahmenbedingungen bleibe es allerdings Aufgabe des jeweiligen Veranstalters journalistisch und ökonomisch attraktive Angebote, die zur jeweiligen lokalen Landschaft passen, zu entwickeln.
Die Landesanstalt für Kommunikation (LFK) fördert anteilig die Verbreitungskosten der sieben regionalen Must-Carry Sender in Baden-Württemberg über Satellit und Kabel mit jährlich insgesamt 1.7 Millionen Euro. Eine Förderung von lokalen Informationsformaten ist gesetzlich bisher nicht möglich.


Ihre Ansprechpartnerin
für alle journalistischen Fragen

Eva-Maria Sommer

Telefon: 0711 / 66 99 1 - 12
Email: e.sommer@lfk.de