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Nr.: 209/14

Datum: 27.02.2014

Präsenz auf allen Plattformen

Transparenz bei Zugang und Auffindbarkeit notwendig

In der Medienarena bleibt das lineare Fernsehen der Leuchtturm. Zugleich
triumphieren Zuschauer und Anbieter. Lineare und non-lineare Inhalte
werden zunehmend zeit- und ortsunabhängig über eine rasant wachsende
Population geeigneter Endgeräte konsumiert. Allein in diesem Jahr werden
in Deutschland über 50 Millionen Bildschirmgeräte verkauft. Tendenz
weiter steigend, betont Michael Schidlack, Bereichsleiter für Consumer
Electronics & Digital Home beim BITKOM, in seiner Keynote zur Eröffnung
der TV Komm. 2014 in Karlsruhe. Den Löwenanteil daran vereinigen
mobile Endgeräte wie das Smartphone mit 30 Millionen und Tablets mit
9,5 Millionen Stück auf sich. Dabei sind bereits 95 Prozent dieser
Bildschirmgeräte online-fähig.

Dies hat Konsequenzen. Für Schidlack verliert das Fernsehen sein Videound
TV-Monopol. So nutzen bereits rund 40 Prozent aller Besitzer eines
Tablets ihr Gerät für den Zugang zu Videos und TV-Inhalten. Zudem
gewinnt das Smartphone als Universalwerkzeug bei der jüngeren
Generation. Die für ihn zukunftweisenden Trends im Zusammenhang mit
der Konvergenz von Fernsehen und Internet: Tablets, Smartphones und
TV-Geräte werden technisch konvergieren. Die Verwertung von Inhalten
dreht sich bei den Verbreitungswegen. So findet die Erstverwertung
zunehmend Online statt, während die Zweitverwertung über die
traditionellen Ausstrahlungswege erfolgt. Mit Bezug auf Werbung und Sehgewohnheiten sieht er den „Reverse Red Button“ für den Zugang zum
linearen TV kommen. War das Drücken des Red Buttons in der
Vergangenheit der Einstieg zum HbbTV-Angebot, dreht sich dessen
Funktion im Zugang zum linearen TV-Angebot. Bei der Vorauswahl von
Programmen und Inhalten werden die sozialen Medien immer wichtiger
und von Playlisten ergänzt. Zugleich werden die gewonnen Meta-Daten
hochgradig wettbewerbsrelevant.

Die beschriebenen Entwicklungen bei den Endgeräten nahmen die
Teilnehmer des Gipfeltalks unter der Moderation des Handelsblatt-
Redakteurs Hans-Peter Siebenhaar gerne auf. Einig waren sich alle
Teilnehmer, dass die non-lineare Nutzung von Inhalten weiter steigt. Claus
Grewenig, Geschäftsführer, Verband Privater Rundfunk und Telemedien
(VPRT), begreift dies aus Sendersicht als große Chance, denn letztlich sei
es egal, über welches Endgerät die Inhalte konsumiert werden. Die Sender
seien bereits mit vielen Angeboten dabei, ihre Marke in der non-linearen
Welt fest zu verankern. Die Bedeutung der Präsenz auf allen Bildschirmen
unterstrichen auch Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin Discovery
Communications Deutschland, und Simin Lange, Vice President
Commercial Distribution Sky. So sei der Start des neuen Frauensenders
TLC nicht nur im linearen TV geplant, sondern wird zudem über eigene
Webseiten im Internet und über soziale Medien begleitet. Sky hingegen
hat schon durch die Kombination linearer und non-linearer Angebote über
skyGO reagiert.

Stephan Zech, Verlagsleiter und Geschäftsführer, Axel Springer Digital TV
Guide, sieht trotz der steigenden Bedeutung der non-linearen Nutzung das
Fernsehen weiter als Leuchtturm in der Medienarena. Plattformen, die
lineare und non-lineare Inhalte kombinieren, müssten jedoch
berücksichtigen, dass sich das Zuschauerverhalten mehrheitlich nicht ändere und eine einfache Navigation und Orientierung
Grundvoraussetzung für Erfolg und Akzeptanz seien. Für Alexander
Mazzara, CEO und Founder des interaktiven Jugendkanals Joiz, hat die
lineare Berichterstattung gerade im Eventbereich weiterhin ihre
Berechtigung. Sein Social-TV Sender sei auch technischer Vorreiter, der
seine extrem interaktiven Zuschauer kenne. So sei der von Schidlack
beschriebene „Reverse Red Button“ in der Schweiz bereits seit drei Jahren
Realität.

Ein zweiter Schwerpunkt des Gipfeltalks lag auf der Frage, ob das aktuelle
Medien- und Wettbewerbsrecht überhaupt noch mit den technischen
Entwicklungen mithalten kann. Thomas Langheinrich, Präsident der
Landesanstalt für Kommunikation (LFK), stellte fest, das sich der Markt
mit hoher Geschwindigkeit in eine neue Medienwelt bewegt und die
Regulierung längst hinterherläuft. Als Beispiel führte er die SmartTV
Hersteller an, die zunehmend Funktionen übernehmen, die vorher
Content-Anbieter und Plattformbetreiber innehatten. Dabei könnten diese
den Zugang und die Auffindbarkeit von Inhalten beeinflussen. Er plädierte
daher nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa für Fairness und
gleiche Chancen sowie eine neue Sicht der Regulierung. Seine Forderung
nach mehr Transparenz und einem vorausschauenden Wettbewerbsrecht
unterstützte Grewenig.

Lutz Schüler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Unitymedia KabelBW,
forderte die deutsche Medienbranche auf, mehr zu wagen. Hier herrsche
seitens vieler Interessenvertreter und der Wettbewerbshüter die Tendenz,
Bestehendes zu bewahren. “Die Industrie wird zu Tode reguliert!“ Aus
seiner Sicht ist das Kartellrecht zu kleinteilig und berücksichtige nicht die
internationalen Entwicklungen. So würde Amazon mit seiner Finanzkraft
davor stehen, den deutschen Markt auch im Bewegtbildbereich schlicht zu

überrollen. Zudem stünde der Marktstart von Netflix nach Meinung aller
Teilnehmer im Herbst bevor. Gerade diese internationalen Player könnten
ihre Vorteile quasi in einem unregulierten Raum ausspielen, während
allseits gewünschte Kooperationen deutscher Marktteilnehmer vom
Kartellamt blockiert würden.

Über die TV Komm. 2014

Die TV Komm. wird von der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK)
veranstaltet und bietet bereits zum siebten Mal hochkarätige Referenten und
Workshops zum Thema Bewegtbild und Kommunikation im Messe Konferenz
Center der Messe Karlsruhe. Zielgruppe der TV Komm. sind Mitglieder des
Vorstands und der Geschäftsführung, Führungskräfte, Top-Manager und Praktiker
von Kabelnetz-, IPTV- und Satellitenbetreibern, Radio- und TV-Sendern,
Medienhäusern, Produktionsfirmen, Unternehmenskommunikatoren,
Vermarktern, Marketingexperten, Strategen und Beratungsunternehmen.


Pressekontakt
Axel Dürr
Nexus Communication
Lerchenbergstr. 23
76703 Kraichtal
Tel. 0175 – 57 27 495
axel.duerr@nexus-communication.de

Mehr aktuelle Informationen zur TV Komm. gibt es unter www.tvkomm.de



Ihre Ansprechpartnerin
für alle journalistischen Fragen

Eva-Maria Sommer

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Email: e.sommer@lfk.de