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Nr.: 16/18

Datum: 11.07.2018

„Wir müssen uns häuten“

Medienexperten diskutierten im SMK INKUBATOR über Medien, Nachwuchsförderung und Politik in Baden-Württemberg

Stuttgart, 11.07.2018. Neue Antworten finden auf die veränderte Märkte und Technologien, dabei aber den Qualitätsanspruch für den eigenen Content nicht aufzugeben, das sind die Herausforderungen für die Medienmacher in Baden- Württemberg. Die Landesanstalt für Kommunikation (LFK) und die Hochschule der Medien (HdM) hatten zusammen mit der MFG Baden-Württemberg und dem SWR zum SMK INKUBATOR eingeladen. Etablierte Medienmacher diskutierten mit Newcomern und Querdenkern neue Ansätze zur Zukunft der Medien in Baden-Württemberg, darunter Staatssekretärin Katrin Schütz, SWR-Intendant Peter Boudgoust, LFKPräsident Dr. Wolfgang Kreißig, MFG-Geschäftsführer Prof. Carl Bergengruen, Referatsleiter Medienpolitik Philipp Franke oder Joachim Dorfs, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung.

„Gerade in diesen Zeiten der dramatischen Veränderung von Medien und Geschäftsmodellen ist es wichtig, gemeinsam neu zu denken. Mit dem SMK INKUBATOR haben wir eine spannende, neue Form des Austauschs für Baden- Württemberg an den Start gebracht“, bilanziert LFK-Präsident Dr. Wolfgang Kreißig.

Der Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Joachim Dorfs, machte klar, dass Veränderung auch für seine Publikation bedeutet, neben einem hohen journalistischen Anspruch auch die Klickraten der Artikel im Netz im Blick zu haben. Für Benedikt Böckenförde, Geschäftsführer des Freiburger Portals StadtBESTEN.de, sind vor allem Daten und Inhalte mit Interaktionen mit den Nutzern relevant. „Wir sind keine Journalisten“, unterstrich Böckenförde. „Beim Umgang mit den Daten können wir von einander lernen“, so Dorfs.

Medien müssen auf Veränderungen reagieren

Journalismus kann sich in Nischen weiter entwickeln und auch profitabel sein, dafür steht Christian Bollert, Geschäftsführer des Internetradios detektor.fm. Vor allem Podcasts sind im Audiobereich im Kommen und lassen sich besser vermarkten. Für den Vorsitzenden des Verbandes privater Rundfunkanbieter, Valdo Lehari jr., sind das Einzellösungen. „Wir müssen unsere Radioprogramme anpassen und reagieren. Das Kerngeschäft bleibt aber bestehen - lineares Radio“.

„Wir brauchen eine deutsche Plattform für deutschen Content“, forderte SWR-Intendant Peter Boudgoust mit Blick auf das Kartellamt. „Wir müssen auf Netflix und Co. Antworten finden“. Allerdings seien die neuen VOD-Anbieter „Aufmerksamkeitskonkurrenten“, aber keine Konkurrenten, wenn es um die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geht. „Wir müssen uns häuten“, forderte Alexandra Staib, Redakteurin beim ZDF („Bad Banks“). Sie wünscht sich mehr Mut und Flexibilität in den Fernsehredaktionen und auch veränderte Kommunikationsstrategien. „Wir müssen mehr kooperieren“, so Staib.

Kreativer Nachwuchs braucht Freiräume

Junge Medienmacher in den Redaktionen und Agenturen sorgen für neue Ideen. „Die Generationen verändern sich, wir müssen uns als Arbeitgeber so positionieren, dass die Mitarbeiter gerne für uns tätig sind“, unterstrich Michael Hartung, Gründer von YAEZ. „Wir brauchen die coolen Leute - in unserer Branche haben wir aber noch nicht alle die Hausaufgaben gemacht“.

Weg vom Angestellten, hin zum unternehmerischen Denken lautet das Ausbildungskonzept der Hochschule der Medien (HdM). „Die jetzigen Studierenden sind angepasster als früher“, sagte Rektor Prof. Dr. Alexander W. Roos, „aber auch viel internationaler unterwegs“. „Wir müssen den jungen Kreativen in ihren Jobs mehr Freiräume geben“, forderte Hartung.

Neue Regulierungsinstrumente und Vernetzung

Im Mittelpunkt der Diskussion mit den Entscheidern in Baden-Württemberg stand auch die Regulierung der Medien. Philipp Franke, Referatsleiter Medienpolitik im Staatsministerium Baden- Württemberg wies auf die Herausforderungen hin: Ein zeitgemäßer Telemedienauftrag, Regulierung der Intermediäre, Social Bots und deren transparente Kommunikation und Aufsicht. „Wir müssen mehr Medienpolitik wagen“, appellierte LFK-Präsident Dr. Wolfgang Kreißig. Es fehle noch an politischen Entscheidungen etwa beim Digitalradio. „Wir brauchen mehr Zusammenarbeit, schnelle Entscheidungen und Leitlinien der Politik“, so Kreißig. Austausch, Kooperationen und Vernetzung stehen auch auf der Agenda des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg. Staatssekretärin Katrin Schütz verwies auf den staken Partner Kreativwirtschaft, der für neue Impulse sorgt. „Wir leben gerade hier in einer geförderten Branche, wo es einen Subventionswettbewerb der Länder um kreative Unternehmen gibt“, darauf wies Prof. Carl Bergengruen, Geschäftsführer der Medien- und Filmgesellschaft hin. Hier gelte es, Baden-Württemberg zu stärken.

Der SMK Inkubator war Auftakt zum Medien-Montag im Stuttgarter Hospitalhof. Im Anschluss stand beim Innovationskongress Media Tasting die Unternehmenskultur im Mittelpunkt. Am Abend lud die LFK zu ihrem traditionellen Jahresempfang, im Rahmen dessen das Projekt „Handysektor“ vorgestellt und der Hochschul-Journalistenpreis Dig-Jo verliehen wurde.



Dateien:
PM_16_SMK_INKUBATOR.pdf153 K

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Axel Dürr, Pressesprecher

Telefon: 0711 / 66 99 1 - 74
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