Journalistische Grundsätze

Jeder kann heutzutage Inhalte über soziale Medien an ein potentielles Millionenpublikum richten. Das Video des Influencers Rezo, „Zerstörung der CDU“, wurde innerhalb einer Woche – ausgerechnet der Woche vor der Bundestagswahl – über 3,7 Millionen Mal aufgerufen. Das zeigt die große Meinungsmacht, die soziale Medien und ihre Nutzerinnen und Nutzer haben. Brauchen Sie daher auch eine größere Kontrolle?

Interview mit zwei Personen

Anders als bei sozialen Medien, wo sich jeder äußern kann, werden die Inhalte, die im Radio oder Fernsehen zu sehen sind, von Journalistinnen und Journalisten hergestellt. Tagtäglich entscheiden sie dabei, wie und über welche Inhalte sie berichten – und damit auch, welchen Themen wir Beachtung schenken und wie wir über diese Themen denken.

Um der Verantwortung, die mit dieser Meinungsmacht einhergeht, besser gerecht werden zu können, unterliegen Radio und Fernsehen bereits seit langem klaren gesetzlichen Vorgaben, etwa durch die Rundfunkstaatsverträge und Landesmediengesetze. Für Zeitungen und Zeitschriften ist dies ähnlich. Zu den dort geregelten journalistischen Grundsätzen gehören etwa die Trennung von Redaktion und Werbung, die sorgfältige Recherche oder die Kenntlichmachung von Behauptungen, die sich nicht haben belegen lassen.

Wie das Beispiel von Rezo zeigt, haben mittlerweile auch andere Medien einen ähnlichen Einfluss darauf, was wir über bestimmte Dinge denken. Dies belegt auch der von den Landesmedienanstalten herausgegebene Medienvielfaltsmonitor. Dort werden seit Jahren die Anteile der Medienangebote am Meinungsmarkt der Medien in Deutschland erhoben.

Internetangebote belegen hierbei in der Erhebung vom 2. Halbjahr 2019 nach dem Fernsehen bereits Platz 2 - Radio und Tageszeitungen folgen mit Abstand.

Meinungsbildungsgewicht der Medien – 2019-II (2. Halbjahr 2019)

Schaubild zum Meinungsbildungsgewicht der Medien
Angaben in Prozent. Die Daten beziehen sich jeweils auf die letzten beiden Halbjahre (2019-I I = 1. und 2. Halbjahr 2019). Quelle: Mediengewichtungsstudie 2019-II der Landesmedienanstalten, S. 28, Kantar; Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahre in Deutschland, n=4.396

In den letzten vier Jahren ist das Gewicht der Online-Medien stetig gestiegen. Fernsehen und Tageszeitungen verlieren hingegen kontnuierlich. Auch Radio ist aktuell etwas weniger relevant als zuletzt.

Meinungsbildungsgewicht der Medien im Trend

Grafik Meinungsbildungsgewicht der Medien im Trend
Angaben in Prozent. Die Daten beziehen sich jeweils auf die letzten beiden Halbjahre (2019-I I = 1. und 2. Halbjahr 2019). Quelle: Mediengewichtungsstudie 2019-II der Landesmedienanstalten, S. 29, Kantar; Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahre in Deutschland, n=4.396

Betrachtet man das Meinungsbildungsgewicht aufgeschlüsselt nach Altersgruppen wird klar: Fernsehen und Tageszeitungen können heute (noch) vor allem bei der älteren Generation der über 50-Jährigen punkten. Für die junge Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen ist das Internet bereits die klare Nummer 1 als Informationsmedium.

Meinungsbildungsgewicht der Medien nach Altersgruppen – 2019-II

Meinungsbildungsgewicht nach Altersgruppen
Angaben in Prozent. Die Daten beziehen sich jeweils auf die letzten beiden Halbjahre (2019-I I = 1. und 2. Halbjahr 2019). Quelle: Mediengewichtungsstudie 2019-II der Landesmedienanstalten, S. 30, Kantar; Basis: 70,598 Mio. Personen ab 14 Jahre in Deutschland, n=4.396

Ein wichtiges Anliegen der Landesmedienanstalten und der LFK ist es, dass sich die veränderte Mediennutzung und sich verlagernde Meinungsmacht auch in der Regulierungspraxis aufgreifen zu können. Hierfür braucht es eine zeitgemäße gesetzliche Grundlage.

Mit dem neuen Medienstaatsvertrag werden die Vorgaben der journalistischen Sorgfaltspflichten, die bereits für die „Online-Presse“ gelten, auch auf bestimmte andere Telemedien mit publizistischer Relevanz erstreckt. Damit wir einen sichereren Rahmen haben für eine offene Debattenkultur. Denn wir wünschen uns mehr offene, kritische Worte. Genauso wichtig ist es aber, dass wir alle unterscheiden können, ob wir es mit Fakten zu tun haben oder nicht.

Kontakt
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Eva-Maria Sommer
Landesanstalt für Kommunikation
Pressesprecherin, Leiterin Stabsstelle für Strategie und Kommunikation
Tel.: 0711 66991-12
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