Social-Media-Analyse zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg
Ziel der von Goldmedia im Auftrag der LFK durchgeführten Studie ist es, die politische Kommunikation der Parteien sowie Landespolitikerinnen und Landespolitiker auf Social-Media-Plattformen im Vorfeld der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 systematisch zu erfassen, auszuwerten und einzuordnen. Dafür wurden deren Video-Posts auf den Plattformen Facebook, Instagram, TikTok und YouTube analysiert.
MODUL 1
Der erste Teil der Studie umfasst eine quantitative Analyse (Anzahl Accounts und Reichweite) der Social-Media-Profile von Politikerinnen und Politikern in Baden-Württemberg. Zur untersuchten Stichprobe zählten jene Abgeordnete des 17. Landtags von Baden-Württemberg (2021 konstituiert), die erneut zur Landtagswahl 2026 kandidierten sowie zusätzlich jeweils zehn weitere Politikerinnen und Politiker aus der Landesliste pro Landtagspartei. Insgesamt wurden die Profile von 151 Politikerinnen und Politikern untersucht. Als Stichtag für die Erfassung der Reichweiten wurde der 4. Februar 2026 festgelegt.
Social-Media-Präsenz der Politikerinnen und Politiker
Instagram und Facebook sind bei den untersuchten 151 Politikerinnen und Politikern am beliebtesten. 97 Prozent verfügen über ein Instagram-Profil und 92 Prozent über ein Facebook-Profil. Auf TikTok und YouTube sind deutlich weniger Politikerinnen und Politiker aktiv: 57 Prozent verfügen über ein TikTok-Profil und 55 Prozent über einen eigenen YouTube-Kanal.
Anzahl der Follower/Subscriber nach Partei
Beim Blick auf die Follower-Zahlen zeigt sich, dass die AfD bei Facebook und TikTok mit Abstand vorne liegt: Ein „durchschnittlicher“ Account dieser Partei erreicht 5.653 Facebook- und 4.577 TikTok-Follower und damit ein Vielfaches der anderen Parteien. Auf Instagram führen dagegen die Grünen mit 2.173 Followern, gefolgt von CDU (2.062) und SPD (1.902).
Über die untersuchten Plattformen Facebook, Instagram, TikTok und YouTube hinweg erzielen Miguel Klauß (AfD) mit rund 569.000 und Cem Özdemir (Grüne) mit rund 375.000 Followern bzw. Subscribern die mit Abstand höchsten Reichweiten aller untersuchten Politikerinnen und Politiker. Mit Abstand folgen in der TOP 5 Sandro Scheer (AFD, 87.650 Follower), Anton Baron (AFD, 50.219 Follower) und CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (CDU, 39.656 Follower).
Besonders auffällig: Miguel Klauß generiert seine Reichweite vor allem durch TikTok; dort hat der AfD-Politiker rund 504.000 Follower, während seinem Instagram-Account weniger als 10.000 folgen.
Große Dynamik gab es in der Schlussphase des Wahlkampfs: Zwischen dem 4. Februar 2026 (drei Wochen vor der Landtagswahl) und dem 11. März 2026 (drei Tage nach der Landtagswahl) konnten die Top 20-Politikerinnen und Politiker insgesamt 165.000 neue Follower bzw. Subscriber hinzugewinnen. Allein Cem Özdemir konnte seine Reichweite um rund 98.000 Follower steigern. Es folgen Miguel Klauß mit 44.000 und Manuel Hagel mit 9.000 neuen Followern.
MODUL 2
Den zweiten Teil der Erhebung bildet eine umfassende inhaltliche Analyse der Video-Posts ausgewählter Politikerinnen und Politiker sowie Parteien. Die untersuchte Stichprobe setzt sich aus folgenden Zielgruppen zusammen:
- Parteien des 17. baden-württembergischen Landtags zzgl. Die Linke und deren Jugendorganisationen,
- Führende Politikerinnen und Politiker (Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz, Spitzenkandidatur) der Parteien des 17. baden-württembergischen Landtags zzgl. Die Linke
- Top-7 der reichweitenstärksten Politikerinnen und Politiker pro untersuchter Partei
Von diesen Zielgruppen veröffentlichten im Untersuchungszeitraum (8. Februar bis 8. März 2026) insgesamt 40 Politikerinnen und Politiker, 6 Landesparteien (inkl. 4 Fraktions-Accounts) sowie 5 Jugendorganisationen Video-Posts.
Die Videos der untersuchten Accounts wurden durch ein eigenentwickeltes KI-basiertes Social-Video-Tracking-Tool tagesaktuell identifiziert und transkribiert. Für jedes Video erfolgte eine umfassende inhaltliche Auswertung zu den adressierten Themen und Zielgruppen, den transportierten Emotionen (ausgelöste Gefühle) und zur Tonalität (sprachlicher Stil). Zudem wurden die Metriken zu Views, Likes, Shares und Kommentaren erfasst und analysiert. Ein einzelner Video-Post konnte dabei mehreren Themenfeldern, Emotionen und Tonalitäten zugeordnet werden.
Anzahl Videos
Im Untersuchungszeitraum veröffentlichten die untersuchten 40 Politikerinnen und Politiker, sechs Landesparteien (inkl. vier Fraktionen) und fünf Jugendorganisationen insgesamt 4.384 Videos (inkl. Instagram Stories; exkl. YouTube Shorts) über ihre 134 Accounts auf den untersuchten Plattformen.
Die Grünen und die CDU sind über alle Videoangebote mit 1.076 und 1.056 veröffentlichten Videos und durchschnittlich 51,2 bzw. 50,3 veröffentlichten Videos je untersuchtem Account am produktivsten. Die FDP folgt mit 30,6 und die AfD mit 25,0 Videos pro Account, während SPD und Linke mit 20,3 bzw. 19,5 Videos im Vergleich weniger aktiv sind.
Anzahl Videos & Views (ohne Instagram Stories)
Da bei Instagram Stories Videoabrufe und Interaktionen nicht öffentlich zugänglich sind, werden für eine bessere Vergleichbarkeit die Daten im Folgenden ohne Instagram Stories ausgewertet.
Ohne Instagram Stories weist die CDU mit 551 veröffentlichten Videos die höchste Aktivität auf, doch die AfD liegt bei der Reichweite mit 15,8 Mio. Views deutlich vorn, trotz der geringeren Zahl an veröffentlichten Videos (502). Die Grünen erreichen 11 Mio. Views. Die Linke erreicht mit der geringsten Anzahl veröffentlichter Videos (96) mehr Views als CDU, FDP oder SPD.
Video-Views: Durchschnitt & Plattformanteil nach Parteien
Die Linke führt mit durchschnittlich 61.846 Views pro Video Post die Reichweite an, gefolgt von den Grünen mit 36.205 Views und der AfD mit 31.480 Views. CDU, FDP und SPD liegen bei den durchschnittlichen Views deutlich darunter. Die plattformbezogene Betrachtung zeigt, dass Instagram mit 52 % der Gesamt Views am wichtigsten ist, gefolgt von Facebook mit 37 %. Die Linke erzielt nahezu ihre gesamte Reichweite über Instagram (98 %), CDU, FDP und Grüne generieren dort mehr als die Hälfte ihrer Views. AfD und SPD erzielen einen erheblichen Teil ihrer Reichweite über Facebook. Im Vergleich dazu spielt TikTok für alle Parteien noch eine untergeordnete Rolle. YouTube hat so gut wie keine Relevanz.
Engagement nach Parteien: Likes, Shares, Kommentare
In Summe erzielen die Parteien im Untersuchungszeitraum ein Gesamt-Engagement* von 2,58 Mio. Interaktionen (2,21 Mio. Likes, 0,09 Mio. Shares** und 0,27 Mio. Kommentare). Die AfD generiert dabei mit 1,16 Mio. Interaktionen das höchste Gesamt-Engagement. Mit durchschnittlich 4.631 Interaktionen pro Video Post erzielt Die Linke das höchste Gesamt-Engagement pro untersuchtem Video Post. Dahinter folgt die AfD mit 2.497 durchschnittlichen Interaktionen pro Video.
Adressierte Themen nach Partei & Verteilung
Die Analyse der Videos nach Themen offenbart deutliche parteispezifische Akzente: Die AfD sticht bei „Innere Sicherheit & Kriminalität“ (6 %) sowie „Migrations- & Asylpolitik“ (6 %) hervor (vgl. Folie 29 im Gesamtbericht für grafische Abbildung aller Themen). CDU und FDP erreichen vergleichsweise hohe Werte bei „Wirtschaft, Finanzen & Arbeitsmarkt“ (16 %). Die Linke und SPD legen einen Schwerpunkt auf „Sozialpolitik*“ (16 % bzw. 14 %), Die Grünen zeigen etwas höhere Anteile bei „Werte & Normen“ (9 %).
Transportierte Emotionen nach Partei & Verteilung
Emotionen prägen die politische Videokommunikation, doch die Parteien setzen dabei unterschiedliche Akzente. Die AfD kombiniert den höchsten Anteil an „Wut & Empörung“ (26 %) mit einer ebenfalls hohen Präsenz von „Angst & Sorge“ (21 %). Die CDU setzt hingegen primär auf „Freude & Hoffnung*“ (31 %), „Enthusiasmus“ (26 %) sowie „Stolz & Zugehörigkeit“ (24 %). Die Grünen heben sich zusammen mit Linke und SPD besonders durch „Mitgefühl & Solidarität“ ab. Die Linke zeigt zudem hohe Anteile bei „Wut & Empörung“ (23 %). Die SPD kombiniert „Freude & Hoffnung“ (23 %) mit nennenswerten Anteilen an „Wut & Empörung“ (19 %).
Interessant hierbei: Über alle untersuchten Parteien- sowie Politikerinnen- und Politiker-Accounts hinweg erzielen im Schnitt jene Video-Posts die meisten Views, die „Wut & Empörung“ sowie „Angst & Sorge“ als Emotionen transportieren. Im Vergleich dazu schneiden Videos mit den Emotionen „Enthusiasmus“ und „Freude & Hoffnung“ deutlich schlechter ab, obwohl diese Emotionen am häufigsten eingesetzt werden.
Tonalität nach Partei & Verteilung
Während die transportierten Emotionen die ausgelösten Gefühle beschreiben, richtet sich die Analyse der Tonalität auf den im Video angewendeten sprachlichen Stil. Die AfD fällt durch einen hohen Anteil an Aussagen, die „kritisch & provokativ“ sind (24 %), auf und weist mit 5 % auch den Spitzen wert bei „beleidigend & erniedrigend“ auf. Die Ansprache der CDU ist dagegen deutlich konstruktiver: Sie setzt am häufigsten auf „ermutigende & positive“ (30 %) und kombiniert dies mit "informativen & sachlichen“ (14 %) Botschaften. Die Grünen differenzieren sich, indem sie im Vergleich am häufigsten „reflektiert & empathisch“ (7 %) sowie „unterhaltsam“ (8 %) kommunizieren.
Bedenklich: Video Posts mit einem „beleidigenden & erniedrigenden“ Ton erzielen durchschnittlich die meisten Views pro Video (41.817), gefolgt von Videos mit einem „kritischen & provokativen“ Ton (28.041 Video-Views). Im Vergleich dazu schneiden Video Posts mit einem „ermutigenden & positiven“ sowie „informativen & sachlichen“ Ton am schlechtesten ab.
Thomas Rathgeb
Landesanstalt für Kommunikation
Leiter Abteilung Medienkompetenz, Jugendschutz und Forschung
Tel.: 0711 66991-52
E-Mail: t.rathgeb@lfk.de