JIMplus 2026 – Digitales Wohlbefinden von Jugendlichen in Deutschland

Die „JIMplus-Studie 2026“ legt ergänzend zu der jährlich erscheinenden, quantitativen Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) den Fokus auf das digitale Wohlbefinden von Jugendlichen. Sie zeigt, wie Jugendliche die Chancen und Belastungen digitaler Medien erleben und welche Auswirkungen dies auf ihr digitales Wohlbefinden hat.

Die Zielgruppe der Studie bilden Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. Durch einen Mixed-Methods-Ansatz - einer Kombination aus qualitativem Online-Tagebuch/ Remote-Einzelinterviews und anschließender quantitativer Online-Befragung - wurde die Perspektive der Jugendlichen unmittelbar erfasst und sichtbar, was diese im Netz bewegt — in Feeds, Reels oder Chats.

Wichtigste Social-Media-Plattformen

Die wichtigsten, regelmäßig genutzten Social-Media-Plattformen sind YouTube, Instagram, TikTok, Snapchat und Pinterest. Bei TikTok fällt der vergleichsweise hohe Anteil an Jugendlichen auf, die den Dienst täglich über drei Stunden nutzen (13 %).

Die Bewertung der Plattformen fällt sehr unterschiedlich und teils scheinbar widersprüchlich aus: Bewertet danach, wie gut die Plattform tut, steht Pinterest (tut mir gut: 75 %) an erster Stelle und TikTok (tut mir gut: 33 %) an letzter. Dennoch folgt TikTok hinter YouTube auf Platz zwei der Plattformen, die Jugendliche am meisten vermissen würden, wenn sie sie nicht nutzen könnten (bei Mädchen steht TikTok hier sogar an erster Stelle).

Die Grafik zeigt ein Balkendiagramm, welches die Nutzungsdauer unterschiedlicher Social-Media Plattformen zeigt. Basis bilden alle Befragen. Zusätzlich wird dargestellt, welcher Anteil der Jugendlichen angibt, dass die jeweilige Plattform ihnen guttut. Basis hierfür bilden Befragte, die die jeweilige Plattform regelmäßig nutzen. YouTube nutzen 7 % der Befragten mehr als 3 Stunden täglich, 26 % nutzen die Plattform etwa 1-3 Stunden täglich. 23 % nutzen YouTube weniger als eine Stunde täglich und ebenfalls 23 % geben eine regelmäßige aber nicht tägliche Nutzung an. 21 % nutzen YouTube nicht regelmäßig. 56 % derer, die YouTube nutzen, geben an, dass die Plattform ihnen guttut. Instagram wird von 6 % über drei Stunden pro Tag genutzt, 25 % liegen bei etwa 1-3 Stunden täglich, 26 % nutzen Instagram weniger als eine Stunde täglich, 13 % nutzen Instagram regelmäßig aber nicht täglich, 31 % nutzen Instagram nicht regelmäßig. 39 % derer, die Instagram nutzen sagen, dass sie ihnen guttut. TikTok wird von 13 % über drei Stunden pro Tag genutzt, 24 % nutzen TikTok ein bis drei Stunden täglich, 15 % sind unter einer Stunde täglich auf TikTok, 8 % nutzen die Plattform regelmäßig aber nicht täglich, 40 % nutzen TikTok nicht regelmäßig. Aus der Gruppe der Jugendlichen, die TikTok regelmäßig nutzen, geben 33 % an, dass ihnen die Plattform guttut. 6 % der Befragten verbringen täglich über drei Stunden auf Snapchat, 15 % zwischen einer und drei Stunden, 25 % unter einer Stunde, 9 % nutzen Snapchat regelmäßig, aber nicht täglich, 45 % nutzen Snapchat nicht regelmäßig. Von den Befragten, die Snapchat regelmäßig nutzen, sagen 48 %, dass die Plattform ihnen guttut. 8 % der Befragten nutzen Pinterest weniger als eine Stunde täglich, 19 % regelmäßig aber nicht täglich, 70 % nutzen Pinterest nicht regelmäßig. Von den Befragten, die Pinterest regelmäßig nutzen geben 75 % an, dass es ihnen guttut.

Themeninteressen

Bei den Themeninteressen im eigenen Feed werden große Geschlechterunterschiede deutlich – in besonderem Maße gilt dies für die Themen Beauty, Mode und Gaming.

Die Grafik zeigt, für welche Themen sich die Jugendlichen interessieren. Basis bilden männliche und weibliche Befragte. Unter den männlichen Befragten interessieren sich 63 % für Gaming, 55 % für Fitness und Sport, 50 % für Witziges und Comedy Content und 45 % für Unterhaltung oder Popkultur. 33 % der männlichen Jugendlichen geben an, sich für News zu interessieren. In der Gruppe der weiblichen Befragten interessieren sich für 59 % Mode und Styling, 57 % für Unterhaltung und Popkultur, 56 % für Fitness und Sport, 51 % für Beauty und Körperpflege und 49 % für witzige Inhalte und Comedy Content.

Einstiegsalter Social Media

Die meisten Jugendlichen, die heute eine bestimmte Social-Media-Plattform nutzen, sind bereits mit 12 oder 13 Jahren auf dieser Plattform aktiv geworden. Besonders bezeichnend: Die Mehrheit der Plattformnutzenden empfiehlt rückblickend ein höheres Einstiegsalter, als sie es selbst bei der ersten Nutzung hatten.

Die Grafik zeigt, welches Einstiegsalter die Jugendlichen für unterschiedliche Social-Media Plattformen empfehlen und den Anteil derer, die die Plattform vor dem Erreichen ihres eigenen empfohlenen Einstiegsalters genutzt haben. Basis bilden Jugendliche, die die Plattformen regelmäßig nutzen. Jugendliche, die regelmäßig YouTube nutzen, empfehlen ein Einstiegsalter von 12 ½ Jahren, 60 % empfehlen anderen ein späteres Einstiegsalter, als sie es selbst hatten. Bei Snapchat liegt das empfohlene Einstiegsalter bei 14 Jahren, 54 % haben Snapchat bereits vor ihrem eigenen Empfehlungsalter genutzt. Für Instagram liegt das empfohlene Einstiegsalter bei 14 ½ Jahren, 56 % der Befragten haben die Plattform bereits vor ihrem Empfehlungsalter genutzt. TikTok erreicht ebenfalls eine Altersempfehlung von 14 ½ Jahren, 65 % derer, die TikTok regelmäßig nutzen, taten dies vor Erreichen ihres empfohlenen Mindestalters.

Nutzungserleben

Die Nutzung von Social Media lässt sich als ständiges Auf und Ab beschrieben. Es wird zugleich von Leichtigkeit, Wissenserwerb und Verbundenheit berichtet und auf der anderen Seite von Überlastung, negativen Vergleichsprozessen und Einsamkeit. Der Vergleichsdruck auf Social Media ist besonders für die Mädchen spürbar.

Die Grafik zeigt anhand unterschiedlicher Aussagen, wie Jugendliche die Nutzung von Social Media wahrnehmen. Basis bilden alle Befragten. 68 % empfinden bei der Nutzung von Social Media Leichtigkeit und stimmen der Aussage „Social Media lenkt mich von Problemen oder Stress ab“ zu. Der Aussage „Über Social Media habe ich Zugang zu Themen und Wissen, den ich sonst nicht hätte“ und einer Horizonterweiterung stimmen 82 % zu. 63 % empfinden durch die Nutzung von Social Media Verbundenheit und stimmen der Aussage „Über Social Media ist es leichter, Gleichgesinnte zu finden, die meine Interessen teilen“ zu. 72 % geben an, bei der Nutzung von Social Media eine Überlastung zu erleben und stimmen der Aussage „Social Media lenkt mich von Dingen ab, die ich eigentlich tun sollte“ zu. 65 % stimmen der Aussage „Beim Nutzen von Social Media vergleicht man sich automatisch mit anderen“ zu und empfinden Vergleichsdruck. Fomo und Einsamkeit treffen auf 43 % zu, die der Aussage „Ich habe Angst etwas zu verpassen, wenn ich nicht online bin“ zustimmen.

Dass 52 Prozent der Mädchen und 42 Prozent der Jungen Generationen beneiden, die ohne Social Media aufgewachsen sind, zeigt das verbreitete Verständnis für die Schattenseiten der Nutzung.

Zitat einer weiblichen Studienteilnehmerin (14 Jahre): "Ich glaube, hätte man ganz andere Medien [als Social Media], wäre man einfach viel sozialer und realer [...] es hätte aber auch den Nachteil, dass man nicht so gut informiert wäre."

Die häufigsten negativen Auswirkungen der Social-Media-Nutzung, die von den Jugendlichen berichtet werden, sind eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit (40 %), ein schlechtes Gewissen nach längerer Nutzung (37 %) sowie Müdigkeit und gereizte Augen (32 %). Nur 15 Prozent berichten über keine Auswirkungen.

Problematische Inhalte auf Social Media

Über Social Media kommen Jugendliche mit einer Reihe von problematischen Inhalten in Kontakt. Am verbreitetsten ist der Kontakt mit Fake News (71 %). Mit deutlichem Abstand folgen extreme politische oder religiöse Inhalte (43 %) und Hate Speech (40 %).

Als besonders belastend werden ungewollte Nacktbilder, Mobbing, Verharmlosung von Essstörungen, drastische Gewaltinhalte sowie Verharmlosungen oder Aufrufe zu selbstverletzendem Verhalten bewertet.

Die Grafik zeigt die Kontakthäufigkeit mit problematischen Inhalten. Basis bilden alle Befragten. Zudem wird angegeben, welcher Anteil der Jugendlichen den Kontakt mit problematischen Inhalten als sehr belastend empfinden. Basis bilden Befragte, die Kontakt mit den jeweiligen Inhalten hatten. Bei Fake News liegt der Anteil der Befragten, die Kontakt mit diesen Inhalten hatten bei 7 von 10 Jugendlichen, 15 % empfinden den Kontakt als sehr belastend. Bei extremen politischen Inhalten liegt der Anteil bei 4 von 10 Jugendlichen, 21 % empfanden den Kontakt als sehr belastend. Hate Speech liegt ebenfalls bei 4 von 10 Jugendlichen, 28 % empfanden den Kontakt mit diesen Inhalten als sehr belastend. Drastische Gewaltinhalte erreichen 3 von 10 Jugendliche, 39 % empfanden den Kontakt als sehr belastend. Die Kontakthäufigkeit mit Mobbing liegt bei 3 von 10 Jugendlichen, 40 % empfanden diesen Kontakt als sehr belastend. Die Kontakthäufigkeit mit Inhalten zu Essstörungen liegt bei 3 von 10 Jugendlichen, 40 % empfanden diesen Kontakt als sehr belastend.  Die Kontakthäufigkeit mit Nacktbildern oder Dickpics liegt bei 2 von 10 Jugendlichen, 52 % empfanden den Kontakt als sehr belastend.

Danach gefragt, auf welcher Plattform man üblicherweise mit bestimmten problematischen Inhalten rechnen kann, wird TikTok für 10 der 13 abgefragten Inhaltsarten am häufigsten genannt. Hate Speech und die Kontaktaufnahme durch fremde Erwachsene werden am häufigsten mit Instagram, ungewollte Nacktbilder am häufigsten mit Snapchat in Verbindung gebracht. 

Im Umgang mit problematischen Inhalten kann zudem ein gewisser Gewöhnungs- sowie Abstumpfungseffekt beobachtet werden: 36 Prozent geben an, sich an die vielen problematischen Inhalte auf Social Media gewöhnt zu haben. 58 Prozent scrollen einfach weiter, wenn ihnen problematische Inhalte begegnen.

Zitat eines männlichen Studienteilnehmers (15 Jahre): "Letztens habe ich ein Video gesehen, in dem jemand einfach auf einen Hund geschossen hat. Ich weiß nicht, warum das kam ... Das kommt manchmal einfach."

Regeln und Verbote

Der Umgang mit dem Smartphone an Schulen wird unterschiedlich gehandhabt – die meisten Jugendlichen berichten davon, dass das Gerät verboten ist (43 %). 

Auch zu Hause gibt es unterschiedliche Regeln und Einschränkungen zur Smartphone-Nutzung. Etwa die Hälfte der Jugendlichen gibt an, dass ihre Eltern selbst Social Media nutzen.

Ein höheres Verständnis für die bestehenden Regelungen im Umgang mit dem Smartphone zu Hause haben Jugendliche, bei denen mit den Eltern oder in der Schule über den sicheren Umgang mit Smartphone und Social Media gesprochen wird.

Einem generellen Social-Media-Verbot für bestimmte Altersgruppen steht über die Hälfte der Jugendlichen (52 %) skeptisch gegenüber, da sie dies als leicht zu umgehen ansehen.

43 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass es ein Social-Media-Verbot bis zu einem bestimmten Alter geben sollte. 

Untersuchungsdesign

Die Studie gliedert sich in eine qualitative und eine quantitative Phase. Die qualitative Phase (Online-Tagebuch sowie Remote-Einzelinterviews) diente als Grundlage für die Entwicklung des Fragebogens der quantitativen Befragung. Zudem stammen die in der Veröffentlichung verwendeten Zitate aus dieser Phase.

Für die quantitative Befragung wurden 800 Jugendliche in Deutschland befragt. Die Stichprobe umfasst 49 Prozent Mädchen und 51 Prozent Jungen. Jeweils 50 Prozent der Befragten waren zum Zeitpunkt der Erhebung 14 bis 15 bzw. 16 bis 17 Jahre alt. 99 Prozent der Teilnehmenden gehen zur Schule. 53 Prozent besuchen ein Gymnasium, 24 Prozent eine Haupt- oder Realschule, 11 Prozent eine Gesamt- oder Gemeinschaftsschule und weitere 11 Prozent eine andere Schulform (z. B. eine berufliche Schule).

Herausgeber der Studie ist der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs), eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks (SWR). Das durchführende Institut war phaydon. 

Über den Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs)

Der mpfs ist ein Kooperationsprojekt der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Medienanstalt Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks (SWR). Die Basisuntersuchungen JIM (Jugend, Information, Medien) und KIM (Kindheit, Internet, Medien) bieten seit 1998 repräsentatives Datenmaterial zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Ergänzt wurden die Studienreihen um Untersuchungen zur Mediennutzung von Kleinkindern und der älteren Generation.
 

JIMplus 2026 zum Download (PDF)
Kontakt

Yvonne Gerigk
Landesanstalt für Kommunikation
Medienforschung; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)
Tel.: 0711 66991-51
E-Mail: y.gerigk@lfk.de

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