Pressemitteilung • 25.06.2026

Rundfunk im Feed: Lokalmedien dürfen Social Media nicht den Lautesten überlassen

BLM-LFK-Panel auf den Lokalmedientagen diskutierte Sichtbarkeit, Vertrauen und journalistische Einordnung auf Plattformen

Bild einer Person, die sich Notizen auf einem Block macht

Wie können lokale und regionale Medien im Feed sichtbar sein und dort Perspektivvielfalt schaffen, wo der Algorithmus Vielfalt verkürzt und emotionale Botschaften priorisiert? Diese Frage stand gestern im Mittelpunkt des BLM-LFK-Panels „Rundfunk im Feed: Zwischen Auftrag und Aufmerksamkeit“ bei den Lokalmedientagen in Nürnberg. LFK-Präsident Dr. Wolfgang Kreißig diskutierte mit Dr. Annette Schumacher, Geschäftsführerin der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Katharina Hamberger vom Deutschlandfunk sowie Horst Rettig (münchen.tv / ingolstadt.tv / L-TV) darüber, wie lokale Medien auf Plattformen Orientierung geben können, wenn Aufmerksamkeit zunehmend algorithmisch verteilt wird.

Studie zeigt: Der Feed belohnt nicht automatisch Relevanz

Den Ausgangspunkt des Panels bildete ein Impuls von Dr. Wolfgang Kreißig zur aktuellen LFK-Social-Media-Analyse der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die Ergebnisse zeigen, wie stark politische Kommunikation inzwischen von Plattformlogiken geprägt ist: Videos, die Wut, Empörung, Angst oder Sorge transportieren, erzielen im Durchschnitt höhere Reichweiten als positive oder sachlich-informierende Beiträge. Auch kritisch-provokative und beleidigende Tonalitäten performen deutlich stärker als nüchterne oder ermutigende Inhalte.

„Unsere Studie macht sichtbar, was auch lokale und regionale Medien im Alltag herausfordert. Im Feed gewinnt nicht automatisch derjenige Inhalt an Aufmerksamkeit, der gesellschaftlich am relevantesten ist und der Feed liefert auch keine ausgewogene Perspektivvielfalt, was gerade im Umfeld von Wahlen wünschenswert wäre. Reichweite entsteht dagegen häufig über Zuspitzung, Konflikt und Emotion. Für den Lokalrundfunk heißt das, er muss schnell, nahbar und plattformgerecht kommunizieren und zugleich einen Ausgleich bieten für das, was Social Media oft fehlt: Verlässlichkeit, Einordnung und journalistische Verantwortung. Zudem ist es Aufgabe der Medienaufsicht, gemeinsam mit dem Gesetzgeber Bedingungen zu schaffen, welche die Sichtbarkeit journalistischer Inhalte im digitalen Raum erhöhen“, sagte Dr. Wolfgang Kreißig, Präsident der LFK.

Anschließend diskutierten die Panelteilnehmenden, welche Konsequenzen sich aus den Studienergebnissen für lokale und regionale Medien ergeben. Dabei wurde deutlich: Reichweite allein ist kein Maßstab für journalistische Relevanz. Gerade lokale Medien könnten im Feed durch Einordnung, Verlässlichkeit und die Nähe zu den Menschen vor Ort einen Mehrwert bieten, den Plattformlogiken oft nicht belohnen.

LFK und BLM stärken Austausch über gemeinsame Herausforderungen

Das Panel knüpfte an die enge Zusammenarbeit von LFK und BLM bei den Lokalmedientagen an. Denn viele Fragen stellen sich für Medienunternehmen in Baden-Württemberg und Bayern gleichermaßen: Wie erreichen lokale Anbieter jüngere Zielgruppen? Wie bleiben regionale Nachrichten im Feed auffindbar? Welche Formate funktionieren auf Plattformen, ohne journalistische Standards preiszugeben? Die Kooperation der beiden Landesmedienanstalten schafft dafür einen wichtigen Rahmen, um Erfahrungen zu bündeln, Anbieter zu vernetzen und gemeinsam Antworten auf den Wandel der lokalen Medienlandschaft zu entwickeln. Über allem steht das gemeinsame Ziel der Landesmedienanstalten: Die Förderung der Medienvielfalt und des niedrigschwelligen Zugangs zu verlässlichen Informationen.

Die LFK ist die Medienanstalt für Baden-Württemberg. Sie lizenziert und beaufsichtigt den privaten Rundfunk, weist Übertragungskapazitäten zu und entwickelt und fördert eine vielfältige Medienlandschaft. Sie setzt sich für Meinungsfreiheit und -vielfalt ein, gerade auch auf digitalen Verbreitungswegen, Telemedien und Social Media. Die LFK ist außerdem zuständig für den Jugendmedienschutz und die Vermittlung von Medienkompetenz. Hierzu engagiert sie sich in zahlreichen Projekten und bietet Aus- und Fortbildungsmaßnahmen an.

Kontakt

Dominik Rudolph
Landesanstalt für Kommunikation
Pressesprecher
E-Mail: presse@lfk.de