Die LFK ist die Medienanstalt für Baden-Württemberg. Sie lizenziert und beaufsichtigt den privaten Rundfunk, weist Übertragungskapazitäten zu und entwickelt und fördert eine vielfältige Medienlandschaft. Sie setzt sich für Meinungsfreiheit und -vielfalt ein, gerade auch auf digitalen Verbreitungswegen, Telemedien und Social Media. Die LFK ist außerdem zuständig für den Jugendmedienschutz und die Vermittlung von Medienkompetenz. Hierzu engagiert sie sich in zahlreichen Projekten und bietet Aus- und Fortbildungsmaßnahmen an.
Medien Triennale Südwest 2026: Künstliche Intelligenz, Digitale Souveränität und Medienkompetenz
Am Übergang vom Informationszeitalter in die KI-Ära übernehmen KI-Systeme zunehmend die Handlung. Kreatives Fragen, kritisches Hinterfragen und Systemverständnis ersetzen Faktenwissen, neue Kompetenzen werden nötig. Souveränität im eigenen Denken bekommt eine neue Qualität, digitale Souveränität in Deutschland und Europa wird zur Kernfrage.
Auf der Medien Triennale Südwest (MTSW) beleuchteten Expert*innen aus Wissenschaft, Politik, Medien und Wirtschaft das Thema „Europa, KI und die Zukunft der Demokratie“ aus verschiedenen Perspektiven. Zentral war dabei die Frage, wie demokratische Resilienz in Deutschland und Europa gelingen kann. Deutlich wurde: Medienkompetenz bedeutet Digital- und KI-Kompetenz – und ist die notwendige Basis für Demokratiekompetenz. Das zeigt auch eine Zahl aus der noch nicht veröffentlichten JIM-Studie 2026 (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest), die auf der MTSW vorgestellt wurde: 61 % der Jugendlichen sind durch die zunehmenden KI-Inhalte auf Social Media verunsichert und hinterfragen, was dort noch real ist. Die MTSW ist eine gemeinsame Initiative von Medienanstalt Rheinland-Pfalz, Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und Landesmedienanstalt Saarland (LMS) und fand zum fünften Mal statt.
Sperrfrist: 25. September 2026, 17 Uhr.
Geschwindigkeit, Steuerung und menschliche Entscheidungskraft
Nach der Begrüßung durch Dr. Marc Jan Eumann (Medienanstalt RLP), Julia Jeske (LFK) und Ruth Meyer (LMS) betonte Gordon Schnieder, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, die Bedeutung von digitaler Souveränität für eine freiheitliche Demokratie. Ziel sei es, Medienvielfalt zu sichern und journalistische Inhalte auch in Zeiten von KI sichtbar zu machen, damit sie ihre gesellschaftliche Funktion erfüllen können.
Dr. Stefanie Hubig (Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz) stellte in ihrem Impuls fest, dass KI einen echten Unterschied machen könne, wenn ihre Entwicklung richtig gesteuert werde. Sie plädierte für einen KI-Einsatz, der die Gesellschaft verbessert und betonte: Entscheiden müssten immer die Menschen.
Prof. Dr. Andreas Dengel (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI) forderte, Deutschland und Europa müssten digitale Handlungsfähigkeit ausbauen. Nicht jede Technologie müsse selbst entwickelt werden, aber es sei von großer Bedeutung, Infrastruktur zu schaffen und den Transfer von Forschung in die Anwendung zu schaffen. Die beiden vertieften im ersten Panel mit Dr. Benjamin Schiller (IPAI) Fragen der digitalen Resilienz und Souveränität in Europa und entwickelten Szenarien, wie in der gebotenen Geschwindigkeit Gestaltungsraum aufgebaut werden kann.
In zwei Live-Showcases zeigte Christoph Maerz (DFKI) eindrücklich, wie mit frei zugänglichen KI-Tools aus öffentlichem Videomaterial Deepfakes erstellt werden – und wie das Tool Gretchen AI sie als solche enttarnt. Maximilian Negele (KI-Politikforscher, Oxford Martin AI Governance Initiative) appellierte in seinem Impuls, dass Europa sich nicht abhängen lassen dürfe. Gregor Freches (Minister für Sport, Kultur, Tourismus und Medien, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgien) brachte die europäische Perspektive ein. Albrecht Bähr (Versammlungsvorsitzender, Medienanstalt RLP) moderierte. Im zweiten Panel diskutierten Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs (RPTU), Prof. Dr. Sebastian Vollmer (RPTU) und Pauline Schinkels (DIE ZEIT) Medienkompetenz als KI-Kompetenz und die Zukunft demokratischer Urteilsfähigkeit.
Die MTSW bot auch in diesem Jahr wieder eine Plattform, um über Chancen und Schutz in der KI-Ära zu sprechen, rechtliche Rahmenbedingungen, Positionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Medien zu beleuchten. Trotz unterschiedlicher Zugänge zum Thema bestand doch Einigkeit darin, europäische Lösungen zu forcieren und KI-Innovation mit Leitplanken, aber priorisiert voranzutreiben.
KI, Medien und die Frage, wer wem was glauben kann
Interaktive Masterclasses am Vormittag übersetzten aktuelle Debatten in die Praxis. Konzepte von KI-gestütztem Journalismus standen hier neben Diskussionen über das Vertrauen in Medien im KI-Zeitalter. Christoph Maerz (DFKI), stellte das Lokaljournalismus-Projekt Local_Vocal mit seinem „Trusted Local Agent“ vor, Uwe Renners (DIE RHEINPFALZ) zeigte die Anwendung von KI im Redaktionsalltag. Worauf sich Vertrauen im KI-Zeitalter gründet, stand bei der Masterclass von Dr. Adriano Lucieri (DFKI) im Mittelpunkt.
Auf dem Marktplatz präsentierten Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Projekte und Medieninstitutionen aktuelle Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz von der praktischen Anwendung bis zum reflektierten Umgang mit ihr. Mit dabei waren: 42kaiserslautern, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), DIE RHEINPFALZ, Dropout GmbH, Europe Direct Kaiserslautern, Inventive Studios, KI-Allianz Rheinland-Pfalz, klicksafe, Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Rheinland-Pfälzische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) sowie die drei beteiligten Medienanstalten.
Stimmen der Landesmedienanstalten
Dr. Marc Jan Eumann (Direktor, Medienanstalt RLP): „Nackt im Klassenzimmer: durch KI-generierte Deepfakes längst ein Wirklichkeit gewordener Alptraum vor allem für Mädchen. Der Appell an die Verantwortung der KI-Anbieter*innen reicht nicht mehr aus: Jetzt sind klare Regeln und drastische Sanktionen gefragt. Und: Medien- und KI-Kompetenz wird zur Grundkompetenz. Die EU-Initiative klicksafe unterstützt Eltern und Pädagog*innen dabei mit Materialien und der klicksafe Schulstunde.“
Ruth Meyer (Direktorin, LMS): „KI verändert grundlegend, wie Informationen entstehen, verbreitet und gefunden werden. Umso wichtiger ist es, dass Menschen auch künftig nachvollziehen können, woher Informationen kommen und worauf sie vertrauen können. Dafür brauchen wir Medienkompetenz ebenso wie zeitgemäße Regeln für Transparenz und Verantwortlichkeit. So sichern wir Vielfalt und Orientierung auch in einer zunehmend KI-geprägten Medienwelt.“
Julia Jeske, stellvertretende Präsidentin der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), sagt: „Die Medien Triennale Südwest bringt die entscheidenden Perspektiven zusammen, um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Medien und Gesellschaft zu diskutieren. KI ist bereits heute Teil unserer Medienaufsicht. Mit den neuen KI-Kennzeichnungspflichten wird unsere Verantwortung noch weiter konkretisiert, Transparenz und verlässliche Regeln auch in einer zunehmend KI-geprägten Medienwelt sicherzustellen. Diese Aufgabe gehen wir als Medienanstalten entschlossen an.“
Über die MTSW
Die MTSW ist eine gemeinsame Initiative von Medienanstalt Rheinland-Pfalz, Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und Landesmedienanstalt Saarland (LMS) und findet jährlich im Wechsel in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Saarland statt.
Weitere Informationen und Fotos der Veranstaltung finden Sie unter https://medienanstalt-rlp.de/mtsw
Simon Tauscher
Landesanstalt für Kommunikation
Öffentlichkeitsarbeit und Interne Kommunikation
E-Mail: presse@lfk.de